03.06.2010 - 21:43 Uhr

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Das nächste Selbst

Text: caroliner in Tagebuchschreiber (1132)

Ich habe beschlossen meine Prinzipien über den Haufen zu werfen.

Seit Jahren sammle ich sie, trage sie mit mir herum und kann darauf zurückgreifen, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Sie stehen säuberlich aufgereiht und beschriftet im Regal und ich muss sie nur hervorholen.

Es ist praktisch, weil ich auf viele Situationen eine passende Reaktion habe. Ich habe keinen Grund irgendetwas zu hinterfragen, es reicht die Begründung: „Das habe ich schon immer so gemacht.“
Jeden Tag laufe ich mit einer scheinbaren Sicherheit durch die Welt, die durch diese Sätze zusammengehalten wird. Das alles bin Ich, das ist mein Selbst für das ich mich irgendwann entschieden habe.

Dabei habe ich immer vergessen, dass wir Menschen nicht statisch sind, sondern dass wir uns ständig verändern und weiterentwickeln. Jeden Tag prasseln so viele Eindrücke auf uns ein, die unser Bild von der Welt prägen. Jeden Tag machen wir neue Erfahrungen, die uns dazu bringen können, zu wachsen. Ein einzelner Mensch besteht aus so vielen Facetten von denen viele nie zum Leuchten gebracht werden. Es sind die Gefühlsregungen, die sich manchmal durch kurze Impulse bemerkbar machen, die schreien jetzt doch bitte mal anders zu reagieren als üblich. Sie werden wahrgenommen, dann ignoriert und zur Seite geschoben. Sie verkümmern nicht, sie bleiben da, oft bis zum Ende des Lebens ohne Beachtung. Die Gewohnheiten sind stärker.

Dabei lässt sich so viel finden, wenn ich die Prinzipien ausblende und etwas mache, das komplett anders ist als …. Ich.

Natürlich ist es schwierig die Angst zu überwinden, die dieses Loslassen mit sich bringt. Die Angst vor dem Unverständnis meiner Familie und meinen Freunden, wenn ich anders handle, weil ich damit auch ihre Gewohnheiten durcheinander bringe. Dann gibt es kein Klammern mehr, keine Sicherheit. Dann gibt es nur noch mich und meine Verantwortung für mich selbst. Ein Risiko, das ich schon mein ganzes Leben zu vermeiden versuche. Ein Risiko, das aber auch Freiheit bedeutet, weil meine Prinzipien mich nicht mehr einsperren.

Ich habe beschlossen meine Prinzipien über den Haufen zu werfen. Ich befinde mich auf dem Weg zu meinem nächsten Selbst.


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3 Kommentare

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querspieler
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Mag ich Mag ich nicht

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03.06.2010 - 22:58 Uhr
querspieler

Manchmal helfen einem die Prinzipien auch - man muss nicht lange nachdenken und macht das, was einen vermutlich langfristig zufrieden macht ("hab immerhin meine Prinzipien eingehalten, auch wenn der Traummann/-frau jetzt weg ist"), oder auch nicht. Naja, sie jedenfalls immer wieder auf Tauglichkeit zu überprüfen und im Zweifelsfall für's Leben und nicht für Prinzipien zu leben kann nie verkehrt sein...

cathie
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Mag ich Mag ich nicht

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05.06.2010 - 13:35 Uhr
cathie

wäre spannend, konkreteres zu erfahren!

LeApprentiPatisserie
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Mag ich Mag ich nicht

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19.02.2011 - 23:54 Uhr
LeApprentiPatisserie

Ich glaube, dass ich jetzt weiß, was ein Teil meins Problems ist.
Guter Impuls.

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