Der Tote im Weiher
Das halbe Dorf hatte sich grüppchenweise
und zum Großteil mit noch ungestopftem Magen
am Rande des Waldes zusammengerottet,
als man dort einen
mit Algen und Laich benetzten
Astronauten aus dem Weiher hievte.
Wie das Lokalblatt resümierte,
so wollte der in einem Michelin-Männchen-Kostüm
steckende Kfz-mechaniker Thorsten B.
mittels einer Unterwasserkamera
und seiner ebenso undichten Freundin
ein Fake-video der Mondlandung
für seinen vormals mit 1.285 Aufrufen
eher schlecht besuchten
Youtube-Account drehen.
Der von seinen Kollegen als "vernünftig" eingestufte
Verrückte war durch das Zuschnappen eines
aus noch ungeklärten gründen
im Tümpel versenkten
Fangeisens am Auftauchen gehindert worden,
worauf die Gasflasche auf seinem Rücken
ungefähr zu dem Zeitpunkt den Geist aufgab,
als Mandy G., (Ex-)Freundin des Opfers,
bebend vor Schock und noch im Taucheranzug
die Haustüre eines sie glasäugig
anstarrenden Frührentners stürmte,
um ihre Mutter anzurufen.
Diese war schließlich besonnen genug,
Teleshopping und Bügeleisen
vorerst sich selbst zu überlassen,
schmiss Handy und Autoschlüssel in ihre
Handtasche und rannte mit hüpfenden
Lockenwicklern zum Feuerwehrhaus.
Drei Taucher und ein Abschleppseil
konnten Thorsten B., den in der Geschichte
der Raumfahrt ersten Astronauten,
der bei einer Mondexpedition ertrank,
gegen zwölf-uhr-vierzig aus dem
idyllisch im Schatten der Bäume
ruhenden Weiher bergen.
Und während die Grauköpfigen sich
mit gesenktem Haupt drei mal bekreuzigten,
stieß die anwesende Dorfjugend mit Dosenbier
auf den Toten an, hielt den Landgang der schwammigen
Leiche mit ihren Handy-kameras fest
und beschloss mit "Krass versaute Mondbesteigung",
einem bis dato 83.764 mal gesehenen und durch
"R.I.P Thorsten" im Abspann ergänzten Youtube-Beitrag,
das Lebenswerk des jungen Mannes.
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15.05.2013 - 12:44 Uhr
Raschka