Black Warrior River
Text: blauerhimmel
Ein sonniger Novembertag auf dem Campus der University of Alabama. Das Licht fällt großartig auf die mittlerweile kunterbunten Bäume. Ich beschließe, einen Spaziergang zu machen um die Herbststimmung mit meiner Kamera einzufangen. Die Straßen sind an diesem Samstag ziemlich ausgestorben. Ich schlendere gemütlich an Vorlesungsgebäuden, Dorms und Dining Halls vorbei, fotografiere alles, was mir vor die Linse kommt und höre währenddessen Bruce Springsteen’s Livealbum „The Seeger Sessions“.
Schließlich gelange ich zum Fluss, dem Black Warrior River. Breit und gemächlich schlängelt der sich zwischen Alabamas Wäldern hindurch. Am Ufer steht ein älterer Mann. Er angelt. „Taking some pictures?“, ruft er mir freundlich lächelnd zu. Ich bejahe. James, wie er sich vorstellt, und ich kommen ins Gespräch. Er deutet auf die bereits gefangenen Fische in einem am Boden stehenden Eimer: „Der kleine hier schmeckt super- nur leider hat er zu viele Gräten, das ist ärgerlich“. Er erzählt von seinen beiden Neffen und seiner Nichte, die er früher jedes Wochenende mit zum Angeln nahm. Doch nun sind die Kinder groß, und James geht alleine angeln: „Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr hier, weil die Ausbeute oft so schlecht war“, sagt er. Doch heute ist er eigentlich ganz zufrieden. Fünf Fische zappeln in seinem Eimer. James erzählt von seinem Neffen, der als Soldat im Irak stationiert war: „Er ist nicht mehr so, wie er früher mal war. Wir wissen nicht, was er dort alles erlebt hat. Er spricht nicht mit uns darüber. Aber er ist anders, seitdem.“ Nachdenklich sieht er aufs Wasser hinaus, dann dreht er sich zu mir herum und sagt lächelnd: „But who am I to judge this country?!“
Die Fische im Eimer sind genug für heute, beschließt James nach einer Weile. „I hate to see you leaving so soon“, sagt er mitfühlend, nachdem ich ihm sage, dass ich nur für ein Semester in den USA bin. Schließlich verabschiedet er sich, die Angel in der einen, den Eimer in der anderen Hand: „It was a pleasure to talk to you. Have a wonderful day!“, sagt er und macht sich auf den Weg. Ich sehe ihm nach, dann mache ich mich selbst wieder auf den Weg, laufe am Fluss entlang, auf einem kleinen Pfad zwischen Sträuchern und Büschen, während von oben das Laub von den Bäumen herabsegelt und den Boden bedeckt.
Neue Texte zum Label 'Alabama':
Textoptionen