Tropfen.
Text: bandedessinee
Mit einer ungeheueren Wucht krachen die Wassermassen auf die mallose, tonartige Oberfläche. Meteoriten zu 100% aus reinem ungefrorenem Wasser. Meteoriten der Reinheit. Anfangs erreichen sie nichts weiter, als die Umgebung durch ihre schiere Wucht zum beben zu bringen.
Doch selbst die stärkste Oberfläche kann sich solch einer Wucht nicht ewig entgegensetzen. Der Ton weicht auf. Der Widerstand bröckelt. Erste Risse bilden sich und es werden vereinzelte Stücke aus der einst so makellosen Fassade herausgerissen. Kleine Fragmente. Bilder, Momente, Stimmen. Doch alles scheint nicht richtig zu sein. Verzerrt und verdreht. Trotz der ersten Erfolge in ihrem Kampf zeigt die Essenz kein Zeichen von Erschöpfung oder gar Mitleid.
Die Angriffsfrequenz wird erhöht. Ein irrsinniges Stakkato von pfeifenden Wasserbomben wird heraufbeschworen. Immer weiter. Immer stärker. Aus der einst so scheinbar widerstandsfähigen Fassade wird ein Haufen umhergeschleuderten Abfalls.
Unerwünscht.
Fehl am Platz.
Fast schon anachronistisch erscheint seine reine Existenz.
Lügen.
Last.
Sorgen.
Ballast der lange genug getragen wurde. Verwittert und Verkrüppelt ist die Landschaft, die die Herrschaft der Fassaden ertragen musste. Verletzt, doch nicht getötet. Verwundet, doch am verheilen. Verdörrt, doch nicht unfruchtbar. Neues Leben blüht. Neue Möglichkeiten. Neuer Mut. Und das alles wegen ein paar Tropfen aus einem Duschkopf.
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