Totensonntag
Aus dem Weiß kratzt die Nadel ein leises Lied aus der letzten Fuge, grün tropft der Wasserhahn einen hohl-harrenden Rythmus hinzu.Aus dem Weiß kratzt die Nadel ein leises Lied aus der letzten Fuge, grün tropft der Wasserhahn einen hohl-harrenden Rythmus hinzu. Die Bücher liegen umgefallen auf dem stubigen Boden, das Licht zu dunkel, um die Zeichen zu erkennen, der Rauch stakt aus den Kleidern in das Zimmer, sichtbar, blau-schwarz und klebrig. Ein nackter Körper auf dem Bett, halb verhüllt von der dunkelblauen, jetzt fast grauen Bettdecke, die jeden Sommer viel zu warm ist, ein anderer Körper auf dem Sofa, die Kniee angezogen, den Kopf daran gelehnt, die Blicke abwesend auf der Decke. Mit einem Mal war es warm geworden, jedes Gramm am Körper ist zu viel, 21 Gramm wiegt die Seele, lau fegt der Wind den Dunst von Schweiß und Rauch und abgestandenen Mündern aus den Fenstern, lau und behäbig. Die Zähne klappern dem Grauen entgegen, rotädrige Augen wirken glasig im Spiegel, der Körper wie ausgedürrt, die Scham so scheußlich ehrlich, fratzenhaft das Ebenbild. Ein Murmeln im Schlaf, ein leises Seufzen, warme Tropfen auf der Stirn. Aus der Nähe in die Ferne durch einen Abschied, einen Wunsch; der Zettel, belächelt, passend, schreiend fast. Einsame Melodien aus den Wipfeln der kleinen Straße, Stille sonst, Totensonntag. Die Treppen hinauf, raschelnd spritzt das Wasser den Dreck und den Schweiß und das Unbehagen den gurgelnden Abfluss hinunter, und mit ihm die vergangene, ausgetobte Lust, mit ihm die Abende der Hoffnung, mit ihm auch die Zettel und das Klappern und den Geruch. Den Geruch, den man so lange noch spürt, der so lange doch bleibt, der Geruch eines Körpers, einer Nacht, der die Stunden zurückruft und doch bedeckt hält, die Scham verhüllt. Eine Nachricht, ein Anruf, Begegnungen, Lächeln, Ferne. Ein Gruß, ein Wunsch vielleicht, ein Abschied aber. Die Fragen bleiben gleich. Die Antworten bleiben gleich.
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ein punkt. dennoch. weil es trifft. einen. ja.








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02.05.2005 - 07:45 Uhr
miss_moneypenny
punkt.