59.Pratchett 60.Wiles 61.Klüpfel/Kobr
59. Terry Pratchett - Das Mitternachtskleid"Hier war es anders als in den Bergen, wo die Menschen an Hexen gewöhnt waren. Die Bewohner des Kreidelandes konnten zwar freundlich sein, aber sie waren keine Freunde, keine echten Freunde. Die Hexe war anders. Die Hexe wusste Dinge, die sonst niemand wusste. Die Hexe war eine andere Sorte Mensch. Die Hexe war jemand, mit dem man sich lieber nicht anlegen sollte. Die Hexe war keine von ihnen. Tiffany Weh war die Hexe. Sie war die Hexe geworden, weil die Menschen eine Hexe brauchten. Jeder braucht eine Hexe, auch wenn das nicht jeder weiß. Und es funktionierte ganz gut. Wann immer Tiffany einer jungen Mutter bei der Geburt des ersten Kindes beistand oder einem Greis den Weg ins Grab ebnete, verblassten in den Köpfen der Menschen die Märchenbuchvorstellungen vom sabbernden, hässlichen alten Weib mit jedem Mal ein bisschen mehr. Trotzdem hatten die alten Geschichten, die alten Gerüchte, die alten Bilder immer noch Macht über das Gedächtnis der Welt."
Inhalt:
Tiffany, eine vielversprechende Junghexe, ist dabei dieses alte Bild der Hexen im Kreideland, einem Landstrich in dem es traditioneller Weise eigentlich keine Hexen gibt, zu ändern. Den Hexe sein, ist schon ein bisschen mehr als nur auf dem Besen durch die Lüfte zu sausen.
Doch auf einmal erwacht das Böse aus seinem tiefen Schlaf, und all die alten Grusel- und Schauergeschichten über die Hexen nisten sich wieder in die Köpfe der Menschen ein, und eine Hexe kann sich fast nicht mehr auf der Straße blicken lassen. Als wäre das noch nicht genug, beginnt das Böse seine Jagd auf Tiffany Weh.
Fazit:
Interessant, ich habe nun ein paar Bücher von Pratchett gelesen, und stelle fest, eines gefällt mir und das nächste wieder nicht.
"Das Mitternachtskleid" hat mir gut gefallen! (Anders als "Der Zauberhut" was ich vorher von ihm las)
Coverbild, Titel und die Bezeichnung Märchen haben zwar nichts mit dem Inhalt des Buches zutun, gut, im Laufe der Lektüre wird klar was mit dem Mitternachtskleid gemeint ist, aber ob es deswegen titelgebend sein sollte?
Einen wirklichen Vergleich zu seinem Gesamtwerk kann ich noch nicht ziehen, aber ich finde es sehr bewundernswert mit Demenz noch eine Geschichte schreiben zu können. Eine Geschichte in der es um Toleranz, Akzeptanz, Selbstlosigkeit und Hilfe geht, Dinge die Pratchett Zeit seines Lebens am Herzen lagen.
Es gibt ein paar Schwächen aber mit denen kann ich leben.
9/10
60. Will Wiles - Die nachhaltige Pflege von Holzböden
"Die Wohnung, Hausnummer 17, befand sich im ersten Stock eines sechsstöckigen, blaugrauen modernistischen Wohnblocks aus der Zwischenkriegszeit, nahe der Stadtmitte, in einer mit ähnlich klobigen Bauten vollgepackten Straße, die der Taxifahrer mühelos fand. Und es war tatsächlich eine sehr schöne Wohnung.
An der Uni, erinnerte ich mich, war Oskar der donnernde Ruf guten Geschmacks vorausgeeilt. Die knisternde Spannung die ihn umgab, war Ausdruck der ständigen Bereitschaft, einen Blitzstrahl zorniger Verdammnis auf alles Billige, Hingepfuschte oder - schlimmste aller Sünden - Vulgäre hinabzuschleudern. Während der Blitz auf sein Zielobjekt niederfuhr, verzog Oskars Oberlippe sich zu einer verächtlichen Grimasse in Form eines großen A für Abscheulich. Anscheinend hatte er diese Ideologie flächendeckend auf sein Zuhause übertragen, wie diese Wohnung zeigte.
Ein breiter Flur erstreckte sich von der Eingangstür zum nach Süden ausgerichteten Wohnzimmer. Der Flur war lichtdurchflutet, mit hellem Dielenboden und eisig weißen Wänden. Zwei dunkle Holztüren, wie Dominosteine auf einem Betttuch, gingen nach rechts ab, die eine in der Mitte, die andere fast am Ende des Flurs. Linker Hand zeigte sich eine vermutlich von Oskar vorgenommene Modernisierungsmaßnahme: eine lange Glaswand trennte die großzügig bemessene Küche vom Flur, an dessen Ende eine Stufe hinab ins Wohnzimmer führte. Der helle Dielenboden erstreckte sich über die ganze Wohnung, und die Glasscheibe, die wohl eine nicht tragende Wand ersetzt hatte, ließ das Tageslicht, das durch breite Südfenster fiel, gleichmäßig durch den ganzen Raum strömen.
Geschmack und Geld waren in diesem Raum zusammengetroffen."
Inhalt:
Oskar muss nach LA reisen um sich von seiner Frau scheiden lassen zu können, und bittet unseren Protagonisten auf seine Wohnung und Katzen aufzupassen.
Aber alles was schief gehen kann, geht auch schief, nur weil ein paar Tropfen Wein auf den Boden fielen.
Das Chaos beginnt und der Protagonist versucht es mit allen Mitteln aufzuhalten, was alles nur noch schlimmer macht.
Fazit:
Auf der Habenseite: sehr schöne Beobachtungen der Umgebung, skurriler Humor und tolle Zeichnung der Figuren.
Leider hat das Werk seine Längen und Handlungsstränge, deren Sinn nicht wirklich ersichtlich sind.
Auch über das Ende kann man sich streiten, ich dachte mir so etwas in der Art schon.
Aber der Leser lernt, französische Eiche sollte nicht als Fußboden gewählt werden.
7/10
61. Volker Klüpfel/ Michael Kobr - Herzblut, Kluftingers neuer Fall
"Die Runde vor dem Monitor hatte sich inzwischen um einen gutgelaunten Polizeipräsidenten erweitert. "Jo, oiso, Manner, ehrlich, i woaß goar ned, wos i ... Maier, tun'S mir sofort eine Pressemeldung verfassen. Des solln alle wissn, wia schnöll mia den Fall ... wirklich, des wird beim Ministerium für Aufsehen sorgen, und die Leut da draußen wird's beruhigen. Guat hommer des gmocht." Mit diesen Worten verließ er den Raum.
"Wir? Ich höre immer wir", sagte Hefele, ihm nachblickend. "Was hat er noch mal genau zur Aufklärung beigetragen?" "Hm, was ist?" Kluftinger hatte nicht zugehört. Seine Gedanken kreisten um den geheimnisvollen Telefonanruf. "Setzt euch mal alle hin, Männer ... und Frauen." Sandy Henske, die gerade mit einem Stapel Akten das Zimmer betrat, sah ihn überrascht an. Als alle saßen, legte Kluftinger sein Handy in die Mitte des Konferenztisches und spielte die Aufnahme ab, die er in den letzten Stunden so oft angehört hatte. Er kannte jede Stelle genau, wusste, wo das, was er für ein Murmeln hielt, in ein dumpfes Poltern überging, und blickte bei jedem Geräusch erwartungsvoll in die Gesichter seiner Kollegen. Als die Aufnahme endete, wartete er gespannt auf eine Reaktion. Da diese ausblieb, fragte er: "Und?"
"Wie, und?" Strobl hob verwirrt die Augenbrauen.
"Na, was habt ihr gehört?" "Gehört?" Hefele zuckte die Schultern. "Nix. Dass dein Handy einen furchtbar schlechten Lautsprecher hat, vielleicht."
"Jetzt denkt's doch mal genau nach. Was ist das für eine Aufnahme, hm?" Maier meldete sich zu Wort: " Ein Livemitschnitt aus der Hosentasche deines Anrufers? Garniert mit ein paar Verdauungsbeschwerden?"
"Oder du beim Mittagsschlaf im Büro?"
"Himmelherrgott! Fräulein Henkse?"
"Ich?" Sandy schaute hilfesuchend in die Runde. "Ich, also ich .. hab bei sowas gar keine Fantasie! Und ich muss sowieso schnell zu dieser ... Sache." Sie stand auf und verließ hastig den Raum. Der Kommissar seufzte, hielt mit theatralischer Geste sein Handy hoch und erklärt: "Ich sag euch jetzt mal, was da drauf ist: Ein Mord ist da nämlich drauf. So!"
Ein paar Sekunden blieb es still, dann prusteten die Kollegen los."
Inhalt:
Anders als seine Kollegen ist sich Kluftinger sicher, einen Mordfall am Telefon gehört zu haben. Als er jedoch mitten in der Nacht alleine den Tatort findet, ist dort nur eine riesige Blutlache, aber keine Leiche.
Bevor selbige gefunden wird, geschehen erst weitere grausige Morde im Allgäu. Doch nicht nur die Morde beschäftigen Kluftinger, auch sein eigenes Herz macht ihm Probleme. Und so verzichtet er auf Kässpatzen und besucht einen Yogakurs.
Fazit:
Ein typischer Kluftinger Allgäukrimi. Kluftinger wie üblich leicht Begriffsstutzig was seine Mitmenschen angeht aber auf der gewohnt richtigen Spur bei den Mordfällen.
Unterhaltend und kurzweilig. Mir gefällt, dass es endlich mal eine starke Entwicklung in seiner Persönlichkeit gibt, in den letzten Bänden ging er mir ziemlich auf die Nerven.
8/10

- 8 & 9 16.05.2013
- 56.Wallace 57.Leon 58.Murray 03.05.2013
- 7 24.04.2013
- 53.Glattauer 54.Kinsella 55.Nuhr 23.04.2013
- 6 17.04.2013
13.05.2013 - 18:12 Uhr
gartenfrau
das ist schön, ich fand die letzten bände nämlich auch nicht mehr so prickelnd...
gartenfrau sagte:
ich sage doch: tiffany aching ist klasse!
:-)
(und nein, ich kann's einfach nicht, sie deutsch zu benennen...)
ich leihe mir die pratchetts ja, da muss ich nehmen was es gibt ;) drum auf deutsch.
aber ich habe schon gelesen, die übersetzung scheidet die geister.
(meine zweier regel stimmt wirklich, ich habe schon den nächsten in der mangel, und der gefällt mir bisher nicht)
gartenfrau sagte:
und kluftinger kann man jetzt wieder lesen?
das ist schön, ich fand die letzten bände nämlich auch nicht mehr so prickelnd...
mein letzter kluftinger ist auch ein weilchen her, von daher ging es gut. und besonders durch die entwicklung vom kluftinger, der hat mich ja irre gemacht, mit seiner haltung zu erika, urlauben und co.









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13.05.2013 - 18:10 Uhr
gartenfrau
:-)
(und nein, ich kann's einfach nicht, sie deutsch zu benennen...)