Wenn sich ein Tagebuch schließt, öffnet sich ein anderes.
Ich bin kein Tagebuchmädchen. Bin ich nie gewesen. Das fällt mir auf, als ich am Donnerstagabend auf L.’s neuem, wunderhübschen Sofa in ihrer neuen, wunderhübschen Wohnung sitze. Bei Wein und Sushi liest sie aus ihren alten Tagebüchern vor. L. hat dreizehn. Dreizehn wirklich sehr dicke, von vorne bis hinten beschriebene, durch Aufkleber, Eintrittskarten, Fotos und sonstige Erinnerungsschnipsel ergänzte Tagebücher. Ich habe noch nie ein Tagebuch von vorne bis hinten voll geschrieben.
In den letzten drei Wochen ist viel passiert. Was davon wichtig war, kann ich leicht sagen: Es sind die Dinge, die ich mir gemerkt habe, denn ich habe aufgehört mitzuschreiben. Ostermontag auf Fehmarn bei Papa. Die vier Tage, die C. hier war. Als wir an der Alster waren. Auf dem Dom mit L. und D. Beim Inder. Und im Bett natürlich. Die drei Tage, die der Lieblingsösterreicher hier war. Seine unglaublichen Gedichte. Das Soap&Skin Konzert. Der nette Abend mit den alten T.-Leuten. Essen mit W. Die Leipzig-Bewerbung.
Heute schließt sich dieses Tagebuch. Ich klappe es zu, erstmal, nicht weil es voll ist, sondern weil ein Kapitel abgeschlossen ist. Vieles ist seit dem ersten Eintrag besser geworden. Einiges sogar richtig gut. Natürlich gibt es auch noch schlechte Tage. Natürlich gibt es ab und zu noch Herzerschütterungen. Aber ich bin glücklich, so ganz allgemein.
Wenn sich ein Tagebuch schließt, öffnet sich ein anderes, sagt man doch so. In meinem Fall ist es ein Reisetagebuch: Morgen beginnt die Reise zu den seltsamsten Museen Europas. Neun Länder, drei Wochen, ein Rucksack, meistens allein, meistens bei Fremden auf der Couch. Eine Reise wider meine Natur, für Menschen mit meiner Persönlichkeit im Grunde ungeeignet. Mit Fremden sprechen. Offen für Neues sein. Festen Fahrplänen folgen. Niemand da, dem ich mit gesenktem Kopf hinterher trotten könnte. Es gibt viele Leute, die brauchen eine Reise „zu sich selbst“. Ich nicht. Ich brauche eine Reise an mir vorbei. Wo ich dabei ankomme, wird dann im Reisetagebuch zu lesen sein.

Alles, was ich mitnehme. Nicht im Bild: Der Fotoapparat.
- 24.05.2012 - rückwärts erzählt vor 22 Std.
- 22.05.2012 22.05.2012
- 22.05 22.05.2012
- 21.05.2012 [Das Märchen vom Baumfisch...Teil V] 22.05.2012
- 20.05.2012 [Blauzunge] 22.05.2012
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ein_oxymoron sagte:
oh wie super! das wird eine topreise, und vielleicht wirst du feststellen, dass du dafuer doch nicht so ungeeignet bist. was hast du dir denn in finnland ausgesucht? ;)
In Finnland bin ich leider nicht, ich glaube Skandinavien eignet sich für eine gesondert Tour.
TextTrulla sagte:
In Finnland bin ich leider nicht, ich glaube Skandinavien eignet sich für eine gesondert Tour.
du besuchst die seltsamsten museen europas, ohne nach finnland zu kommen? wie geht DAS denn!
ein_oxymoron sagte:
du besuchst die seltsamsten museen europas, ohne nach finnland zu kommen? wie geht DAS denn!
Ich konnte bei der planung leider nicht nur nach Museen gehen, sondern auch eine sinnvolle Route finden, bei der ich nicht tageweise im Zug verbringe. Aber glaub mir: Es gibt ÜBERALL schräge Museen. Welches das seltsamste ist, werde ich herausfinden:)
TextTrulla sagte:
Ich konnte bei der planung leider nicht nur nach Museen gehen, sondern auch eine sinnvolle Route finden, bei der ich nicht tageweise im Zug verbringe. Aber glaub mir: Es gibt ÜBERALL schräge Museen. Welches das seltsamste ist, werde ich herausfinden:)
ich bin gespannt :)
http://de.wikipedia.org/wiki/Museum_of_J...
Aber ich bin glücklich, so ganz allgemein.
Das liest man viel zu selten.
Ich wünsche Dir, dass Du diesen Satz auch in das neue Tagebuch schreiben kannst.
Und mir, dass ich das lesen kann.
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27.04.2012 - 22:54 Uhr
ein_oxymoron