22.03.2012 - 20:52 Uhr

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Wenn Ich denke

Text: Scardanelli_insanewriting

bin ich nicht wirklich da.

Ich baue mir ganz unwillkürlich eine Mauer aus Gedanken und ziehe mich zurück in meine Sandburg. Zwischen den Muschelresten und dem zerriebenen Stein rieseln meine Gedanken durch die Räume, suchen sich Partner im großen Saal und bitten zum ausgelassenen Tanz. Die filigranen Säulen aus den Knochen verstorbener Meeresbewohner klappern dann rhytmisch zu den Klängen der umherkreischenden Ideen, die sich alsbald im Labyrinth der Gänge verlieren. Sie sterben verwirrt, ausgehungert und einsam, an die Wände gelehnt, in einer Ecke kauernd und alsbald erlischt ihr schimmernder Glanz.

Träume bewohnen die oberen Kammern, die Wände gesäumt mit strahlenden Farben, gewonnen aus dem rotem Farbstoff toter Schnecken. Ich habe sie vor Jahren unter Haussarrest gestellt, sie können nicht fliehen, die elfenbeinenen Pforten sind fest verschlossen. Sie gehören mir. Ich ändere die Einrichtung fortlaufend, damit sie sich nicht langweilen, sich nicht erhängen an einem der prachtvollen Kronleuchter mit einem der seidenen Bettlaken.

Langusten bewachen die Dachkammer mit goldenen Lanzen und scharfen Schwertern, aus Haizahn gefertigt. Ich habe ihnen gesagt, dass darin mein größter Schatz lagert, dass jeder, der wagen sollte, ihn zu erblicken, auf der Stelle erfriert. Niemand ahnt, dass die Kammer schon lange leer ist. Der Tod war dort. Niemand darf hinein.

In den Kerkern liegen, mehr tot als lebendig, meine Ängste. Ich habe sie vor langer Zeit in schwere Ketten gelegt und in die ewige Dunkelheit meiner Gewölbe gesperrt. Der Krebs wacht über diese geheime Welt, er hält sie mit regelmäßigen, kargen Mahlzeiten am Leben, denn auch er weiß: Viel gefährlicher wäre es, sie zu töten. Das vermag kein Lebender zu ertragen.

Ich schaue von meiner Ballostrade auf die Jungen der niederen Insekten, die im Hof spielen. Ihre Eltern striegeln meinen Ehrgeiz, ein edles Tier, es trägt mich mit Leichtigkeit über weite Flur. Schnaubend ritt es mich schon oft in die Schlacht. Ein treues Tier, ich werde es gut behandeln.

Meine Sinne flanieren auf den gewaltigen Mauern meines kleinen Reiches, Ich sehe, wie sich zwei Seeigel im Südturm betrinken. Ich gönne es ihnen, im Moment droht uns keine Gefahr.

Denn mein Ich da draußen vor den Toren erzählt niemandem von meinem kleinen Reich. Es spielt hervorragend Theater.

 

 

 

 

Bildquelle: 2001-A Space Odyssey



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