06.02.2012 - 17:57 Uhr

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Der missbrauchte Kanal

Text: Mediator

Wer twittert wird beobachtet haben, dass immer mehr Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien dieses Medium gleichen Namens nutzen. Dabei handelt es sich um Poltiker, denen man schon aufgrund ihres Alters unterstellen möchte, dass sie wie selbstverständlich so genannte User sind.

Darunter auch so bekannte Namen, wie Volker Beck (Parlament. Geschäftsführer von B90/Die Grünen), Peter Altmaier (Parlament. Geschäftsf. der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) oder Dorothee Bär (Stellv. Generalsekretärin der CSU); aber auch Piraten-Frontfrau Marina Weisband (Politische Geschäftsfüherin) und derzeitiger Liebling der Medien (auch wenn sie sich gelegentlich darüber beklagt, von ihnen in Interviews eher als Sexobjekt gesehen und befragt zu werden, denn als ernstzunehmende Politikerin), sowie eine Vielzahl der oft gescholtenen Hinterbänkler, wie Ansgar Heveling (MdB und Mitgied der Enquete-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft), der unlängst den Zorn der Gemeinde auf sich zog, als er - das Ende des digitalen Zeitalters vor Augen - vom Kulturkampf und Krieg im Netz sprach und sich so um Kopf, Kragen und Urheberrecht redete.

Während der Eine oder Andere, weniger im Netz ver(w)irrte, aber bemüht ist, seine/ihre "Followisten" mit konkreten Informationen oder Hinweisen auf Veranstaltungen zu versorgen, darf man sich über andere Inhalte nur wundern: Da wird diffamiert, beleidigt, angegriffen und es werden scheinbar alte Rechnungen beglichen.
"Kinder, vertragt euch doch", möchte man ihnen zurufen.

Aber wie ernst muss man diese öffentlich geführten "Entgleisungen" eigentlich nehmen, die offenbar nur möglich sind, weil die Protagonisten sich nicht face-to-face oder womöglich vor der Kamera gegenüber stehen?

Wer zwischen dem Zwitschern liest (sorry, ...horcht) und verfolgt, in welcher Eintracht die vermeintlichen Kontrahenten außerhalb der Social Networks, beispielsweise im Bundestag, in gemeinsamen Ausschüssen oder bei den allseits beliebten Empfängen, miteinander umgehen, darf doch erhebliche Zweifel daran bekommen, dass es sich hier um ernsthafte öffentlich-politische Auseinandersetzungen mit Info-Charakter handelt.

Es drängt sich die Frage auf, ob es sich nicht doch ledigich um eine "Pseudo-Polit-Show" handelt, die nicht nur der eigenen Reputation dienen soll, sondern bei der ganz nebenbei auch noch persönliche Eitelkeiten bedient werden.

Wer mag da noch gerne folgen, ähm sorry, followen?


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Dr. Christoph Terhart-O'Connor
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