23.12.2012 - 23:12 Uhr

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Gefährlich nahe

Text: Luckyone

Ein grauenvoller Tag - die Arbeit hatte mich fast vollständig aufgefressen und mein einziger Gedanke galt der Flucht aus meinem Büro. Nur weg hier, so schnell wie möglich. Endlich klappte ich den Laptop zu und stand erleichtert vor meinem Bürofenster, genoß für einen kurzen Moment den Sieg über diesen Mammuttag und war unendlich erleichtert. Jetzt nur schnell ein Bier trinken und ab nach Hause. Ich ging nach unten, wo alle anderen sich zum Essen versammelt hatten. Scheiß Weihnachtsfeiern, dachte ich mir und holte noch einmal tief Luft, bevor ich mich ins Getümmel stürzte.
Als ich bei unserem Tisch ankam und alle vor mir sah, war ich für einen kurzen Moment zufrieden. Bis mein Blick durch den Raum schweifte und da warst Du. Für den Bruchteil einer Sekunde war alles gut. Bis mir einfiel, dass ich Dich nicht sehen wollte. Richtig, Du bist ganz sicher nicht gut für mich, fiel es mir schlagartig wieder ein, also drehte ich mich auf dem Absatz um und begann den erstbesten, den ich kannte, in ein Gespräch zu verwickeln. Denn an Dich wollte ich nicht schon wieder denken müssen. Unser letztes Gespräch war in all seiner perfekten Einfachheit so wirkungsvoll, dass ich knapp 2 Wochen gänzlich neben mir gestanden hatte. Nicht schon wieder, meldete sich daher mein Hirn gemeinsam mit meinem Herzen zu Wort - und beide sollten in ihrer seltenen Einigkeit Recht behalten.

Ich nahm die erste Gelegenheit wahr, soviel Distanz zwischen Dich und mich zu bekommen, wie nur irgendwie möglich. Und ich war dankbar für jeden Zentimeter, der mich aus der Gefahrenzone bringen sollte. Nur war es leider nicht weit genug. Keine halbe Stunde später, hauchte mir jemand "Du stehst aber gefährlich nah an der Tanzfläche..." ins Ohr. Meine innere Stimme schrie "Nein, nein, neeeeeiiinnnn!" Und hatte den weisen Rat für mich, ich solle doch einfach weglaufen. Ich weiß nicht mehr was ich dir geantwortet habe, denn ich war ganz damit beschäftigt dem Drang zu widerstehen, genau das zu tun, was mir mein kluges Unterbewusstsein da gerade geraten hatte. Stattdessen hielt mich der letzte Funken gesunder Menschenverstand gemeinsam mit dem letzten Rest Anstand davon ab.

Ich hatte gar keine Chance. Du hattest keine zwei Sätze gesagt und alle Vernunft ging gemeinsam mit meinem gesammelten Selbstschutz erstmal ein Glas Wein trinken. Ich habe beide den Rest des Abends nicht wiedergesehen. Wir haben uns unterhalten, über Gott und die Welt. Über Deine Welt und meine Welt, beide nicht so recht vollkommen und beide doch so ähnlich. Du hast mir von Deinen Träumen erzählt und wie Du sie verwirklicht hast. Ich habe Dich dafür bewundert, dass Du noch träumen kannst. Ich habe Dich dafür gemocht, dass Du ganz Du warst, mit allem was Du bist und dem was Du nicht bist.
Und das ich daran teilhaben durfte. Und dabei nicht bemerkt, dass Du längst viel zu dicht an mir dran warst - ohne es vielleicht gewollt zu haben, aber dennoch gefährlich nahe.

Die Verabschiedung war seltsam, Du hast mich in den Arm genommen und es hat sich viel zu richtig angefühlt. Und jetzt bist du wieder da und ich trage dich mit mir rum - seit diesem Abend. Tage später habe ich all meinen Mut zusammengenommen und Dir eine Nachricht geschickt, Dich gefragt, ob irgendwas davon eine Bedeutung hatte. Du findest es schön, dass wir uns so gut verstehen, hast Du gesagt und das es keine Hoffnung gibt - das sei eine lange Geschichte. Und Du hast mir frohe Weihnachten gewünscht und Dich bedankt, dass ich ehrlich zu Dir war.

Weißt Du, ungeachtet aller Fürs und Widers, aller Wenns und Abers, aller Vielleichts und Ungewissheiten - ich glaube wir hätten da etwas großes haben können. Vielleicht hätten wir es geschafft, ein Versprechen ist das nie. Aber es wäre eine Chance gewesen, eine echte und zwar für uns beide. Ob Deine lange Geschichte dem standgehalten hätte? Glaubst Du das wirklich? Ich bin mir da gerade sehr unsicher, denn wir sind uns in so kurzer Zeit tatsächlich gefährlich nahe gekommen. Du bist und bleibst etwas besonderes - ohne das ich mich dagegen wehren kann oder es wollte. Letztlich bleibt es Deine Entscheidung, die ich zu akzeptieren habe.

Schade ist es dennoch. Und das würde ich Dir gerne sagen - nur fehlt mir dazu der Mut.

Schöne Weihnachten, Lucky One. Ich trage Dich bei mir - egal ob es was bedeutet oder nicht.


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