10.10.2007 - 14:30 Uhr

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Und Leidtragender ist die Maus

Text: Dubliner

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an die Herren Capecchi, Evans und Smithies. Sie haben die Techniken entwickelt, mit denen sogenannte Knock-Out-Mäuse hergestellt werden können. Die Idee dahinter ist, gezielt bei Tieren Gene auszuschalten, um zu verstehen, welche Rolle die Gene im gesamten Organismus spielen. Man verspricht sich davon neue Erkenntnisse bei Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Es ist ein Ärgernis, wie einseitig über die Technik momentan in den Medien berichtet wird. Mit keinem Wort werden die Nachteile der Methode erwähnt. Das hochgelobte gene-targeting konnte bisher keinen entscheidenden Beitrag zur Behandlung der heute relevanten Volkskrankheiten leisten. Die Erforschung von neuen Therapien bei Krebs, AIDS oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen tritt seit Jahren auf der Stelle. In allen Bereichen werden genetisch veränderte Mäuse eingesetzt. Auch wenn die Genome von Mensch und Maus sehr ähnlich sind, so sind sie doch nicht gleich. Gerade das Zusammenspiel einzelner Gene kann sehr unterschiedlich sein. Aber dieses Zusammenspiel ist oft der Schlüssel, um Krankheiten zu verstehen. Nicht nur die unterschiedlichen Genome sind problematisch. Eine Erkrankung hat ihre Ursachen nicht allein in genetischer Prädisposition. Faktoren wie Stress, Ernährung, Suchtmittelverhalten und das soziale Umfeld spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten. Diese Kriterien können im Tierversuch mit Knock-Out-Mäusen nicht berücksichtigt werden. Die Maus ist bei der Forschung wieder einmal im wahrsten Sinne des Wortes die Leidtragende. Bis das gewünschte Gen ausgeschaltet werden konnte, sterben und leiden Hunderte von Tieren; teilweise an haarsträubenden Missbildungen. Nicht zu vergessen: eine einzige Knock-Out-Maus kann heutzutage bis zu 20.000 Dollar kosten. Da ich weiß, welch enorme Fortschritte in der tierversuchsfreien Forschung gemacht werden, empfinde ich die diesjährige Nobelpreisauszeichnung in der Medizin als ein Zeichen in die vollkommen falsche Richtung.


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chocolatecat
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09.10.2007 - 12:28 Uhr
chocolatecat

ich kenn mich ja damit nicht aus, aber alle genforscher die ich kenne, forschen an zellen (die zwar auch teilweise mal mäusen gehört haben), und damit komm ich auch besser klar.

Dubliner
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09.10.2007 - 12:31 Uhr
Dubliner

Ja, Zellkulturen sind schon auch sehr verbreitet. Aber Knock-Out-Mäuse eben auch.

chocolatecat
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09.10.2007 - 12:34 Uhr
chocolatecat

was mich nur gewundert hat, war, dass die in den nachrichten immer gesagt haben: ohne das wäre die moderne genforschung nicht möglich.

ist das denn so? was machen denn die, die an zellkulturen forschen, keine moderne genforschung?

(obwohl ich die maus mit dem eingeringelten schwanz irgendwie süß fand...)

bernweich
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09.10.2007 - 12:38 Uhr
bernweich

interessantes thema. wusste ich gar nicht mit dem nobelpreis.

Dubliner
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09.10.2007 - 12:38 Uhr
Dubliner

Also, einen wirklichen masterplan zu der Sache habe ich auch nicht. Das Argument der Leute, die an lebenden Mäusen forschen ist, dass die Wirkung von beispielsweise Medikamenten an gesamten Organismen überprüft werden muss.
Zellkulturen sind moderner als Tierversuche. Ganz klar. Mittels Zellkulturen kann zum Beispiel menschliche Haut imitiert werden. Das Model ist dann sehr viel näher dran am Menschen als Mausehaut. So kann dann zum Beispiel potentielle Reizwirkung von neuen Kosmetika getestet werden, ohne Tierversuche durchführen zu müssen.

chocolatecat
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09.10.2007 - 12:44 Uhr
chocolatecat

insgesamt versteh ich den ansatz aber schon, und es ist sehr interessant, dass man das kann. man kann an zellkulturen eben nicht ausprobieren, was passiert wenn man ein gen ausschaltet, oder?

das man das an mäusen macht, die sich schnell vermehren und wenig platz brauchen, liegt schon nahe.

Dubliner
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09.10.2007 - 12:48 Uhr
Dubliner

Ja, aber das Problem ist eben, dass für Therapien an Menschen geforscht wird und die Ideen an Mäusen getestet werden. Sehr oft sind die Ergebnisse nicht auf den Menschen übrtragbar. Oft ist es so: Positive Ergebnisse im Tierversuch bringen keine oder negative Ergebnisse in klinischen Studien am Menschen. Insulin zum Beispiel: Tödlich für Mäuse. Nach heutigen Standards wäre Insulin nicht in die Phase der klinischen Tests am Menschen vorgedungen. Contergan: Mäuse hams super vertragen. Deswegen, wie im Text beschrieben, bringen die Knock-Out-Tests ja so wenig zählbare Ergebnisse.

chocolatecat
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09.10.2007 - 12:51 Uhr
chocolatecat

oh. ... na, stimmt, dann ist das natürlich irgendwie sinnentleert.

außer man sieht das ganze als grundlagenforschung, um die funktion einzelner gene zu bestimmen. aber da fragt sich auch, was es nützt, zu wissen, dass gen sowieso bei der maus einen krüppelschwanz auslöst, wenn es nciht funktioniert...

Dubliner
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09.10.2007 - 12:56 Uhr
Dubliner

Also, meiner Meinung nach ist vor allem die schiere Vielzahl an Knock-Out-Mäusen vollkommen übertrieben.

polilla
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09.10.2007 - 14:19 Uhr
polilla

Was ich glaube: Vielfach sind die Forscher auch einfach nur "geil drauf" Gott zu spielen...

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