Chabos auf Nase schlagen nicht grundlos
Was macht man als Jugendlicher mit Kanackenbackground in einer Welt, die sich scheinbar nur um Drogen, Geld und Frauen dreht? Wo Konsum und Materialismus die Gedanken lenkt und eine dicke Uhr plus fleckenfreie Sneakers einen als Menschen zeigt, wer man ist, welchen Status man innerhalb der Gesellschaft einnimmt? Der Drang, sich zu zeigen, zu zeigen, dass man mehr wert ist als die ganzen Copycats, ist zu groß, als das einen Moral oder Glauben davon abhalten könnte, auf die Straße zu hören. Die Straße ruft einen zwangsläufig und besitzt man nicht die Standhaftigkeit, Nein zu Gewalt, Hass und Todschlag zu sagen, kommt man nicht drum rum, das Leben eines Straßenjungen mit all seinen Konsequenzen zu führen.
Die Gesellschaft wundert sich darüber, dass Generation über Generation festgefahren ist im täglich gleichen Hustle, im immer gleichen Stress - das Ott und Flex muss an den Mann gebracht werden – dabei ist Kriminalität und Gangstersein die einzige, scheinbare Möglichkeit, als Kanacke in Deutschland gesellschaftlich aufzusteigen. Auf offiziellem Wege gibt’s da wenig Perspektiven, bewerb dich mal als Türke mit Abi auf ambitionierte Führungspositionen, da weißte, was ich mein. Dies ist kein Deutschland-weites Problem, in Frankreich, Spanien, den USA oder sonstwo auf der Welt herrschen die gleichen, verdammten Konflikte. Ganz egal, ob man Schwarzafrikaner, Maroc, Türke oder Ostblockchabo ist. Es gibt eine Masse an Menschen, für die es keinen Platz auf der Welt gibt. Da wo sie sich befinden, fühlen sie sich fremd, sie werden verachtet, ignoriert, vergessen, sie befinden sich ganz unten und das wissen sie auch. Sie spüren diese Heimatlosigkeit, wissen aber nicht wohin mit ihren Zweifeln und Sorgen, greifen zu Substanzen, die verdrängen, vergessen lassen, berauschen sich an den kleinen Dingen des Lebens, um nicht an morgen denken zu müssen, nicht dran denken zu müssen, dass man keine Kohle hat, um sich mal eben einen Burger zu kaufen, nur weil man gerad im Kif-Heißhunger Bock drauf hat. Was macht man als Straßenchabo, der umgeben ist von Menschen, die heiß sind, Patte zu machen, so richtig Patte zu machen? Kein Soziologe oder Pädagoge kann eine vernünftige, aufrichtige Antwort drauf geben. Jeder sagt dir, mach die Schule, geh und schreib dein Referat, Bildung ist wichtig, aber wenn wir ehrlich sind kannst du dumm wie Brot sein, die Welt behandelt dich trotzdem wie einen König, wenn die Optik stimmt.
Und wenn die Verwunderung wieder groß ist, wenn die Schlagzeilen stehen und Empörung über Ausländer und Straßenfetzerei den gesellschaftlichen Diskurs bestimmen, weil wieder mal irgendein Spasti voll Wut und auf Nase nen Typen auf die Gleisen gekickt hat, dann wundere dich nicht und echauffier dich nich, nur weil es en vogue is, überleg lieber, wieso die westlich-kapitalistisch geprägte Gesellschaft uns Werte vermittelt, die dafür sorgen, dass wir alle auf dem gleichen, verfickten Trip sind, der da heißt, sei geil und kauf ein und mach dich frei für ein Leben im Rick-Ross-Modus. Exzess is just my character.
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21.01.2013 - 19:59 Uhr
Lenjia