Stille am Kanal
Er, der sonst immer die letzte Seite eines Buches als erstes liest, weil er dann weiß, wo die paar hundert Seiten hinführen, er sitzt hier und ist überrascht vom Ende.
Ein Koffer, ein Ring, eine flüchtige Erinnerung. Als sie sagte, es sei Schluss, kein Begreifen, bloß die Klischees, die er immer vermeiden wollte, Tränen und Whisky und Fotos und verpasste Abschiedsszenen an Flughäfen.
Er war kein Held, schon gar nicht ihrer und wäre es so gerne gewesen, aber die innere Größe, das wusste er schon immer, die hatte er nie. Er und seine innere Distanz, sie haben zerstört, was schien, als sei es aus Kevlar und Rotwein gebaut; in langen Nächten vor dem matten Leuchten eines Bildschirms, in gemeinsam verschwiegenen Minuten, im Einverständnis über die Dummheit der Menschen, im unbeholfen tastenden Sex, auf der Suche nach dem Körper des anderen.
Am Anfang bloß ein Spiel, dann Ernst, er hat sich verliebt in sie, so sehr, dass er sie sogar vermisste, wenn sie da war, an einem dieser gestohlenen Wochenenden, die doch immer nur billiger Ersatz waren für ein Leben mit ihr. Wenn sie neben ihm saß, am Kanal, die bunten Strähnen in ihrem Haar, eine Flasche Sekt in der Hand, aus der sie kleine Schlucke trank, dann fehlte sie ihm präventiv für die nächsten drei Wochen, die sie getrennt voneinander verbringen würden müssen. Er hat sich verliebt in sie, dann liebte er sie, er, der sonst nur sich selbst liebte, sich und seine Worte. Und er wartete auf den richtigen Moment, den, der bleiben würde, der, in dem er sich endlich trauen würde, ihr zu sagen, dass sie bleiben solle für immer. Jetzt sitzt er hier, sieht sechs Monate voller verpasster Momente, nicht gesagter Sätze und Bekenntnisse, die auf der Zunge lagen und runtergewürgt wurden.
In ihrem letzten Telefonat, da setzte manchmal das Rauschen aus, zwischen den Pausen in den Sätzen, mit denen sie ihm die Endgültigkeit ihrer gemeinsamen Geschichte erzählte und er wusste nicht, ob sie noch da war oder schon weg. Und er sitzt allein am Kanal, in der Hand eine Flasche Sekt, die Füße baumeln über dem Fluss, neben sich das Buch und in ihm nur diese verdammte Leere nach dem Wörtersturm.
- Wild ist die See. // Out of balance. vor 16 Std.
- 2 Wochen Osterferien - 15.04.2012
- Version 1.6 14.04.2012
- Wenn ich doch nur könnte. 18.03.2012
- Na danke. 18.03.2012







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04.05.2011 - 00:12 Uhr
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