Eine Geschichte wie viele
Es waren einmal ein Mädchen und ein Junge. Sie war 17 Jahre alt, er zählte 23 Jahre.Sie trafen sich auf dem Bordstein in der dunklen Gasse, dort wo Attila über den Eingang zu den Träumen wachte. Sie war jung und das erste Mal mit der Vergänglichkeit des Lebens konfrontiert. Er hatte einfach den Blues und unglaubliche Cowboystiefel an. In dieser Nacht päppelte sie ihn mit einigen Bieren und viel warmen Worten zu den Klängen der Stones wieder auf. Zum Dank wurde er ihr treuer Begleiter. Einen durchlachten Sommer lang und einen goldenen Herbst waren sie unzertrennlich. Freunde.
Bis zu dieser Sylvesternacht in der Vorstadt. Unter Böllern die unvermeidliche Idee doch auch mehr sein zu können. Wer hat eigentlich das Teufelszeug namens Sekt erfunden?
Das Mädchen merkte schnell, dass es einen Fehler gemacht hatte. Für das Herz des Jungen war es zu spät. Doch einer allein reicht nicht zur Liebe. Und ihre Freundschaft? Wurde zum Wachkomapatient. Das Ende war schmerzhaft. Und nur durch einen chirurgischen, sauberen Schnitt erträglich. Der Junge reiste ans andere Ende der Welt um sich zu kurieren.
Eine Geschichte wie viele andere.
19 Jahre später. Ein 40ster Geburtstag. Das Mädchen ist inzwischen erwachsen. Verheiratet. Mutter. Runder um die Hüften und Fältchen gibt es auch. Der Junge hat Karriere gemacht, Familie gegründet. Sein Haar lichtet sich am Hinterkopf und die Cowboystiefel sind schon lange im Müll. Man hat sich seither nicht wieder gesehen.
Ein Blick.
Und es ist alles wieder da. Eine Nacht lang sind sie wieder 17 und 23, lachen bis die Tränen laufen und verstehen sich ohne Worte. Warm. Vertraut. Freunde. Dann ist die Nacht vorbei. Seine Frau ruft ein Taxi, ach ja, sie ist ja auch da. Der Junge wird wieder zum Mann, das Mädchen zur Frau. Sie gehen heim zu ihren Familien.
Jetzt ist da ein Loch, wo die Narbe doch so gut verheilt war, dass man sie garnicht mehr gesehen hat.
Machs gut, mein Freund.

- Facebook und Co 28.02.2013
- Tücken des Web 2.0: Kein Facebook, kein Kumpel Abend! 24.07.2012
- Deswegen. 17.06.2011
- Ungenügend. 27.04.2011
- Ode an die Freunde 16.04.2011
Danke!
Idydoenneweg









0
23.11.2012 - 18:09 Uhr
JohnyBravo
*