Wie halten Sie's mit der Religion, Frau Merkel?
von koikarpfenMehr Respekt vor Religionen - das hat Kanzlerin Merkel unlängst von den Deutschen gefordert. Wie kommt sie zu dieser Anmaßung, mag man sich fragen. Hält sie die Bundesbürger für zu erziehende Kinder, denen man "Anstand" beibringen muss? Die heute in Deutschland stärker vertretenen, bzw. medienpräsenten Religionen tun derzeit nicht viel, um sich den von der Bundeskanzlerin geforderten Respekt zu verdienen. Die unsägliche Beschneidungsdebatte hat gezeigt, auf wie erschreckend selbstverständliche Art und Weise fundamentale Grundrechte wie das Recht auf körperliche Unversehrtheit (des Kindes) und auf negative Religionsfreiheit (des späteren, unwiderruflich beschnittenen Erwachsenen) schlichtweg ignoriert werden, wenn sich religiöse Lobbygruppen lauthals beschweren. Als ob es das Zeitalter der Aufklärung nie gegeben hätte, wird da polemisiert, werden Menschen, denen die psychische und körperliche Gesundheit von Säuglingen am Herzen liegt, von Vertretern nahezu aller Religionsgemeinschaften diffamiert und verleumdet. Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, in der die Trennung von Staat und Religion auf beunruhigende Art und Weise verschwimmt. Dass Religionsfreiheit auch die Freiheit von Religion und die Freiheit, sich bewusst für oder gegen eine bestimmte Religion entscheiden zu können bedeuten kann, dass auch der Atheismus ein legitimer Standpunkt ist, scheint in Anbetracht von Merkels Äußerungen, scheint auch angesichts der geradezu reflexhaften Ausarbeitung eines die Beschneidung legalisierenden Gesetzes durch die Bundesregierung nicht mehr selbstverständlich. Ein Atheist hat keinen Respekt im Sinne von Wertschätzung für Religionen. Er kann ihn nicht haben, weil ihm der Glaube an Gott nicht plausibler vorkommt als der Glaube an Micky Maus. Das ist als Tatsache zunächst mal anzuerkennen. Erst dann kann man darüber reden, ob es Zeit ist für eine neue Akzeptanz, für eine neue Zeit der friedliche Koexistenz, freilich unter der strengen Beachtung der im Grundgesetz festgelegten Menschenrechte. Solange Atheisten als Bevölkerungsgruppe marginalisiert, dämonisiert und ignoriert werden, solange Menschen, die sich für ein selbstbestimmtes, von Religionsgruppen unbeeinflusstes Leben einsetzen das Wort im Mund herum gedreht wird, solange die Bundesregierung beim Thema Staat und Kirche als Marionette der Religionen erscheint, solange eine religionskritische Haltung als Bedrohung eingestuft wird, ist ein ernsthafter Diskurs über gegenseitige Akzeptanz nicht möglich.
08.11.2012 - 16:53 Uhr
vaus
aber zwei anmerkungen:
-du meinst nicht "atheisten", denn die haben auch einen glauben, sondern agnostiker.
-und alle möglichen gruppen, nicht nur religionen, nehmen sich das recht raus, ihre mitglieder zu stigmatisieren.
Soweit ich das bisher kennen gelernt habe, sind Agnostiker die, denen es "egal" ist ob etwas Metaphysisches existiert und Atheisten sind die, die jeden Glauben ablehnen, zumindest für sich selbst.
Mich würde es mal interessieren, von welchen Glauben Sie genau reden? Vielleicht verstehe ich ja dann besser was Sie meinen.
So glaubt jeder an irgendetwas.
Aber warum sollte man nur "glauben dass es keinen Gott gibt", wenn man sich dank Vernunft und Wissenschaft ziemlich sicher ist? Bisher gab es weder ein sinnvolles Argument (wäre allein sowieso schwach) noch einen Beweis, der einem das Gegenteil nahe legen könnte. Ein Atheist der sich nicht sicher ist, wäre so oder so ein Agnostiker.
Achja nochmal zum eigentlichen Text: Gut zu sehen dass es doch noch ein paar Leute gibt, die diesen Wahn der bei diesem Thema an den Tag gelegt wird, nicht einfach unkommentiert stehen lassen wollen.
Und Atheisten waren schon immer marginalisiert.
Die Bezeichnung "Atheist" ist eher als Beleidigung zu verstehen, die impliziert, dass demjenigen der so bezeichnet wird etwas fehlen würde. Nämlich der Glaube (bzw. auch der richtige Glaube, wenn er an religiös anders Denkende gerichtet war). Er ist also "gesondert" zu betrachten im Kontext zu allen anderen (Gläubigen/Agnostikern).
Dabei nehmen doch gerade eher die Gläubigen meines Erachtens hier eine besondere Stellung ein, indem sie von etwas behaupten es würde existieren, dass ganz offensichtlich nicht existiert. Warum werden hier dann Atheisten als "Sonderlinge" gesehen, wenn sie sich nicht auf diese Behauptung einlassen?
Treffendere Bezeichnung für die Menschen die ihr wahrscheinlich meint, ist Antitheismus.
Und ob man den Begriff Atheist als Beleidung auffasst, ist eher von der Persönlichen Überzeugung abhängig. Jemand der ‚Gott/Götter-glaube‘ ablehnt, ist die Bezeichnung als Atheist wesentlich lieber als Ketzer oder Heide.
@ Koikarpfen: Schöner Text, ich bin einer Meinung mit dir :)
15.11.2012 - 13:40 Uhr
BerlinerTeufelchen
Treffendere Bezeichnung für die Menschen die ihr wahrscheinlich meint, ist Antitheismus.
Und ob man den Begriff Atheist als Beleidung auffasst, ist eher von der Persönlichen Überzeugung abhängig. Jemand der ‚Gott/Götter-glaube‘ ablehnt, ist die Bezeichnung als Atheist wesentlich lieber als Ketzer oder Heide.
@ Koikarpfen: Schöner Text, ich bin einer Meinung mit dir :)
Digital_Data
Mag sein, dass er den Glauben nicht nachvollziehen kann. Er sollte jedoch so offen und empathisch sein, zu sehen dass dieser Glaube auch Menschen helfen und ihnen ein Bedürfnis sein kann.
Ich selbst glaube nicht an das, was mir die ev. Kirche bislang vermitteln wollte und ich halte die Kirchen die ich kenne sämtlich für ungeeignet, uns als Menschen dienlich und nützlich zu sein.
Meine Meinung ist, dass jeder seinen Glauben haben darf wenn er möchte, dass ich das respektiere und vielleicht auch versuchen werde es zu verstehen. Er soll aber bitte mich, den Staat in dem ich lebe, die sozialen Einrichtungen die dieses Gemeinwesen finanziert und die Unternehmen die in unserer Gesellschaft wirtschaften in Ruhe lassen, sie nicht beeinflussen.
Ich bin für eine deutliche Trennung zwischen Religion, Kirche und Staat. Das sind drei verschiedene Dinge, die nicht zusammenpassen. Insbesondere die Kirche darf sich nicht in unser Staatswesen einmischen.
Und ja ich glaube weder an Gott noch an Religionen (oder andersherum) aber es interessiert mich auch nicht sonderlich wenn es den andere tun. Es ist deren Baustelle - nicht meine.
Glaube ist Privatsache, in meinen Augen.
Und es gibt weder einen Sachzwang noch ideele Gründe warum eine Vermischung der drei irgendwie dienlich sein soll.
Auch wenn die Argumentation der religiösen Vertreter dann gerne heißt... Deutschland ist christlich geprägten Ursprungs.
MEIN Deutschland ist humanistisch geprägt und ob vor Jahrhunderten hier einmal Christen vorherrschten oder wie in meiner Region Slawen... sei es getrommelt. Interessiert nicht mehr.








08.11.2012 - 16:51 Uhr
vaus
aber zwei anmerkungen:
-du meinst nicht "atheisten", denn die haben auch einen glauben, sondern agnostiker.
-und alle möglichen gruppen, nicht nur religionen, nehmen sich das recht raus, ihre mitglieder zu stigmatisieren.