Neue Emotionen braucht das Netz
Text: teresa-fries  Illustration: Katharina Bitzl | 11 11 Kommentare | Redaktionsblog | Technik | 23.11.2014 04:29  


Chatten ist praktisch, aber manchmal genügt das reine Wort einfach nicht. Deswegen lässt Facebook sich gerade von einem Pixar-Illustrator neue Emoticons entwerfen. Die jetzt.de-Redaktion hat zusammengefasst, welche dringend dabei sein sollten.

Für neue Emotionen auf Facebook wird es wirklich Zeit. Bis jetzt gibt es 27 Emoticons, darunter die unspektakulären gelben positiven oder negativen Gesichter, die wir jeden Tag verwenden, aber auch ein paar ausgefallene wie ein Roboterkopf oder ein Hai. Die sind zwar lustig, aber anfangen kann man mit ihnen nichts. Andere Dienste wie Whatsapp oder Skype bieten da schon viel mehr an. Ein Illustrator, der eigenltlich für Pixar arbeitet und ein Experte in Sachen Mimik ist, soll Facebook nun helfen aufzuholen.

Eine Alternative, bis es die neuen Facebook-Emoticons gibt, ist, sich alles was man braucht, aus Satzzeichen selbst zusammenzubauen. Das ist ziemlich mühsam, kann aber auch lustig sein. So sieht dann zum Beispiel "Keep Rockin'" aus:

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Oder man verwendet Emoticons und kleine Bilder, die man vorher in einen Code umwandelt. Wie dieser zum Beispiel, den man einfach in das kleine Chat-Fenster eingeben kann - und dann kommt das jetzt.de-Logo dabei heraus.

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Eine Internetseite hilft, die Bilder zu codieren. Das Ganze basiere auf dem Prinzip, mit dem Facebook es vor einem halben Jahr ermöglichte, Profilbilder im Chat zu verschicken, erklärt Philipp Meder. Der Schüler bloggt auf phimema.de und sammelt  auf einer Facebook-Seite diese codierten Emoticons: vom Riesensmiley bis zum Gangnam-Style. Er weiß auch, warum die Nutzer nicht einfach ganz normal die Bilder anhängen: „Man kann andere damit verblüffen, keine Bilder anzuhängen, sondern Emoticons zu posten. Außerdem benutzen die meisten nur die kleinen Chatfenster, bei denen das Anhängen gar nicht möglich ist“.

Diese Varianten sind zwar ganz nett, aber doch sehr umständlich. Mit den neuen Facebook-Emoticons wird das doch hoffentlich etwas einfach - wenn es denn die richtigen werden. Auf der nächste Seite hat die jetzt.de-Redaktion zusammengefasst, welche Emoticons ganz dringend dabei sein sollten.


Das “Bin auf dem Sprung”-Emoticon



Wenn bei einem Freund bei Skype, Facebook oder sonstwo das Zeichen für “ist online” blinkt, ist das, als würde man diesen Freund auf der Straße sehen. Man kann sich Hallo sagen und sich ein Weilchen unterhalten. Allerdings sieht im Chat niemand, woher der Freund gerade kommt und wohin er gerade will. Beim Treffen auf der Straße sieht man, ob jemand auf den Bus wartet und sich wahrscheinlich über eine Unterhaltung freut, oder ob er gerade die Straße entlang hetzt und nicht lange smalltalken will. Online fehlen solche Informationen. Man bräuchte also ein Emoticon, das signalisiert, dass man gerade in Eile oder auf dem Sprung ist. Dann kann man eine Unterhaltung ganz einfach abwürgen.

Das „Warte kurz“-Emoticon
Chatten ist immer dann anstrengend, wenn man heftig diskutiert. Manchmal hat man zum Beispiel sein Argument noch nicht zu Ende getippt, bevor der Gesprächspartner schon sein nächstes rausgeschossen hat. Um den anderen zu stoppen, damit er einem nicht ins digitale Wort fällt, kann man schnell „Warte!“ oder „Stopp!“ schreiben. Charmanter wäre es aber, wenn man einen freundlichen Smiley hätte, der zum Beispiel mit der Hand eine Wortmeldung oder ein ähnliches Zeichen macht, das dem anderen signalisiert, dass man noch nicht fertig ist. Das würde den Frieden wahren und schneller ginge es auch.

Das Spontanerrektion-Emoticon



Soziale Netzwerke werden ja von den meisten Profis vor allem dazu genutzt, sich in Szene zu setzen, sei das mit einem Duckface-Selbstportrait, höchst intellektuellen Postings oder Neid erregenden Fotos von köstlichen Gerichten. Und weil man nicht immer alles nur ignorieren kann, sollte es ein Emoticon geben, das einerseits wohlwollend anerkennt, dass sich da jemand wirklich Mühe gegeben hat, andererseits demjenigen schon auch zu verstehen gibt, dass man jetzt nicht wirklich vor Neid erblasst daneben steht. Das Spontanerektion-Emoticon könnte diese Funktion übernehmen: Ja, ich finde  sehr schön, was du uns da zeigst, aber deswegen musst du jetzt nicht sofort ausflippen.  


Das Schulterzuck-Emoticon
Früher, als man noch mit icq chattete, schrieb man, wenn man ratlos war, „kA“. Das bedeutete „Keine Ahnung“ und man konnte sich den, der das getippt hatte, mit hochgezogenen Augenbrauen und zuckenden Schultern, die Handflächen nach oben gedreht, vorstellen. Einen passenden Smiley zur Buchstabenkombination „kA“ hat aber noch keiner erfunden. Okay, in seltsamen Internetforen wurden schon mal welche gesichtet. Aber ein hübscher, animierter mit einem niedlich-ahnungslosen Gesichtsausdruck, der fehlt noch. Den könnte man immer gut gebrauchen, wenn jemand „Was ist denn mit XY los?“ oder „Wieso hast du denn den Quatsch jetzt gemacht?“ fragt, um sich damit ganz und gar putzig aus der Affäre zu ziehen.

Das Körperklima-Emoticon



Gerne teilt man mit, wenn man gerade das Gefühl hat, dass das eigene Temperaturempfinden nicht im angenehmen Bereich liegt. „Ich friere“ oder „Mir ist schrecklich warm“ sagt man mindestens so oft wie „Ich bin müde“ oder „Ich habe Hunger“. Darum braucht es einen Smiley, der schwitzt (und zwar nicht aus Angst,  den gibt es schon vielerorts) und ein rotes Gesicht hat, und einen, der bibbert und ein bisschen blau ist.

Auf der nächsten Seite gibt's noch mehr Emoticons.


Das “Auf Linksuche”-Emoticon
Man unterhält sich im Chat, und zack, plötzlich erinnert man sich an dieses eine Video, diesen einen Artikel oder Blogpost, der gerade herrlich zur Unterhaltung passen würde. Nur erinnert man sich dummerweise nicht mehr, wo man den Link gesehen hat. Per Mail geschickt bekommen? Auf Twitter gesehen? Bei Facebook? Irgendwo im Google-Reader? War der Inhalt auf einer Nachrichtenseite verlinkt? Man beginnt zu suchen, klickt sich durch Timelines und Feedreader. Damit der Chat-Partner während dieser Suche nicht ungeduldig wird, braucht man für diesen Zustand unbedingt eine Optik.

Das Stielaugen-Emoticon



 Wann immer in Entenhausen etwas Ungehöriges geschieht, ploppen Donalds Augen vor lauter Überraschung aus ihren Höhlen und sind nur noch durch den Sehnerv mit dem Rest des Körpers verbunden. Es gibt nicht wenige Augenblicke am Tag, an denen man genau dieses Stielaugen-Emoticon gut gebrauchen könnte: Wenn mal wieder Unglaubliches über Silvio Berlusconis Privatleben zum Vorschein kommt, wenn man feststellt, dass Buttermilch weniger Kalorien hat als echte Milch, wenn man plötzlich dank Facebook feststellt, dass sich zwei Freunde, die man nie miteinander in Verbindung gebracht hätte, im echten Leben kennen – immer dann wäre ein Stielaugen-Emoticon die einzig passende Reaktion.


Das Ironie-Emoticon
Das grundsätzliche Problem beim Chatten ist ja, dass es ständig zu Missverständnissen kommt – meistens, weil Witze nicht als solche erkannt werden. Das ist ärgerlich, denn ein „Das war ein Witz“ macht auch die beste Pointe kaputt. Noch unmöglicher ist es, Ironie zu verwenden. Da hört die Verwirrung dann gar nicht mehr auf. Dabei benutzen wir Ironie doch so gerne, dass uns schon wieder vorgeworfen wird, wir könnten gar nichts anderes mehr. Wir brauchen also dringend ein „Das war ein Witz“- und ein Ironie-Emoticon. Sie sollten Missverständnisse aufheben, den anderen aber auch ein wenig dafür rügen, dass er es nicht verstanden hat.

Das Augenroll-Emoticon



Für das Augenrollen gibt es keine vernünftige Entsprechung in der Emoticon-Welt. Manchmal gibt es ein fragendes Augenbrauenhochziehen und ein Kichern mit vorgehaltener Hand. Aber so richtig trifft das weder das ernste Augenrollen (man ist richtig, richtig genervt, kann es in seinem Umfeld gerade nicht äußern, wenn man aber nicht wenigstens mit den Augen rollt, platzt man) noch das amüsierte (wenn etwas lustiges passiert oder gesagt wurde und man lachen muss, aber gleichzeitig signalisieren will, dass man es auch etwas albern findet). Man bräuchte also unbedingt zwei augenrollende Emoticons, eins mit einem lachenden und eins mit einem Schmollmund.

Das „Volle Blase“-Emoticon



Es gibt Chat-Partner, zu denen kann man ruhig sagen: „Du, ich muss mal kurz auf Toilette“. Bei anderen ist einem das unangenehm. Wirklich elegant ist es nie. Sagt man aber nicht Bescheid, könnte der andere denken, man ist eingeschlafen, weggegangen, eingeschnappt oder man will nicht mehr mit ihm reden. Man bräuchte also ein nicht zu geschmackloses, aber eindeutiges Emoticon für eine volle Blase.


Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/566686