Flädlesuppe und Frühstückstage
Text: jetzt-redaktion | 25 25 Kommentare | Kosmoskoch | Leben | 21.10.2014 17:09  


Gegessen wird immer, aber jeder macht es anders. Beim Kosmoskoch dokumentieren jetzt-User und jetzt-Redakteure jeweils eine Woche lang, was am Abend bei ihnen auf den Tisch kommt. Heute: jetzt.de-Userin petersile

Diese Woche hat sich die jetzt.de-Userin petersile die Mütze des Kosmoskochs aufgesetzt.

Montag



ist eine Erkältung im Anzug und ich tue, was man tut, koche Suppe. 2 Möhren, die Ruine eines Fenchels, Zwiebeln und 1 Kartoffel ist noch da. Außerdem Petersilie und Pfannkuchen vom Wochenende. (Die ich abwechselnd süß und salzig bestrich und füllte, rollte oder auch pur aß, gefühlte zwölf Stück in zwei Tagen). Jetzt also Gemüsesuppe mit Pfannkuchen=Flädlesuppe. Die einfachen Dinge sind die guten Dinge! Und man sollte immer Suppe fotografieren, dann würde man sich nicht mehr die Zunge verbrennen.

Dienstag



kaufe ich eine Großpackung Taschentücher (10x10), trinke anschließend heißen Ingwer-Holunder und löffle Müsli in meinem Stammcafé. Frühstück is(s)t meine Lieblingstageszeit. Am Abend noch mal aufgewärmte Suppe.

Mittwoch



verlasse ich das Haus nur, um Gemüse zu kaufen. Ich schiebe es am Abend in den Ofen. Süßkartoffeln, Karotten, Fenchel, rote Zwiebeln, zwei, drei Schüsse Olivenöl, Salz und Pfeffer. Dazu gesalzener Joghurt, Feta, Petersilie und gerösteter Sesam. Ach ja, und Reis. Am liebsten Milchreis (in Wasser gekocht), wegen seiner pappigen Konsistenz. Außerdem die letzten Seiten vom wunderbaren Buch „Bahnen ziehen" von Leanne Shapton. Leider kann man so schlecht essen und lesen ohne Flecken zu hinterlassen.

Donnerstag





bin ich übermüdet und weiß nicht, wie ich mich bis zum Abend wach halten soll, um Theater zu spielen. Ich habe mittags nur ein Schnapsglas voll Zeit und schiebe eine Seele mit Fenchel, Birne (Abate) und Bergkäse in den Ofen. Es ist mein Lieblingsschnellessen der letzten Wochen und gehört in die Kategorie "grundgut und tröstlich". Wichtig: Auf dem Sofa essen und eine Folge einer Serie kucken (weil ich langsam bin, habe ich „New Girl" eben erst entdeckt, verschlucke mich mehrmals vor Lachen). Am Abend belegte Brötchenhälften mit Gewürgurke und krauser Petersilie unter Folie, die mich rühren, die ich trotzdem nicht anrühre. Stattdessen eine trockene Breze. (Besser bei Aufregung).

Freitag



Mittags ein Gemüsekuchen aus dem Bioladen, in dem ich arbeite, seit halb sieben Uhr in der Früh. In jedem Stück steckt schätzungsweise ein halber Becher Sahne. Ich will es gar nicht wissen. Schmeckt aufgewärmt hervorragend. Dazu ein eingetupperter Rest vom Mittwochsgemüse, der auch kalt schmeckt. Am Abend nichts, was wirklich selten vorkommt, doch, Mohn-Vanille-Joghurt aus dem Glas löffeln bei offener Kühlschranktür, dazu auf Arte „Drei" von Tom Tykwer sehen und um neun auf dem Sofa einschlafen.

Samstag



Herstellung der besagten Pfannkuchen, die es montags als Suppe gab. Samstag ist der Beginn meiner Kochwoche und mir gelingen wirklich die besten Pfannkuchen, die ich je gebacken habe. Fast wie von meiner Großmutter, die zu dicke Exemplare aufs Schlimmste verpönte. Ein Schluck Mineralwasser scheint der Trick zu sein. Außerdem ein Schuss Sonnenblumenöl. Weil mir Pfannkuchen allein zu langweilig sind, brate ich einen Rest Kürbis mit Zwiebeln und Butter, lösche mit Weißwein ab, zupfe Salbei und Rosmarin rein und koche das Ganze, bis es matschig ist, oder schöner gesagt: Sugo. Außerdem brate ich in einem anderen Topf eine Birne mit Fenchel und Butter. Damit belege ich später die Pfannkuchen. Außerdem mit einem Löffel Ricotta zum Kürbis und Pecorino zur Birne. Meine Tischgesellschaft isst Käsefondue.

Sonntag





Ist mein liebster Frühstückstag mit Eiern und zwei Kaffee und Tee, mehreren Marmeladen und Käsesorten und auch gerne auf dem Sofa oder im Bett mit einer Serie. Heute Flashback in die Jugend, als ich eigentlich noch ein Kind war und es aber trotzdem kuckte: "Beverly Hills 90210". Ich stelle nebenbei fest, dass ich unzählige Frühstücksfotos habe. Das Frühstück ist ein Spätstück und hält bis zum Abend vor. Da gibt's Kässpätzle mit Salat. Selbst durch die Presse, ja gepresst eben, (und nicht vom Brett geschabt, woran sich ja die Geister scheiden). Viel wichtiger erscheint mir „gscheiter" Käse: Siebenbauern-Bergkäse und Gruyère. In die Aufflaufform Spätzle und Käse geschichtet und in den Ofen geschoben. Natürlich Zwiebeln schmelzen. Es muss ja mal was Schwäbisch-Deftiges geben.

Auf der nächsten Seite liest du den Kosmoskoch-Fragebogen von jetzt.de-Userin petersile.



Welchen Stellenwert hat Essen in Deinem Leben?
Wenn ich schlafen gehe, freue ich mich aufs Frühstück. Wenn ich das nicht tue, bin ich krank oder es geht mir wirklich nicht gut. Hunger ist ja ein wiederkehrendes Phänomen. Wahrscheinlich tut man nicht viele Dinge so oft und so regelmäßig im Leben wie Essen. Wenn man Glück hat, sitzt man dabei um einen runden Tisch mit Menschen, die man mag. Dass jeder Essen muss (auch Traurige, Kranke) finde ich sehr tröstlich („Wer nie sein Brot mit Tränen aß", schrieb schon Goethe), überhaupt bin ich ein Alltags-Ritual-Mensch. Wiederholungen bedeuten Sicherheit, sind Beweis dafür, dass es eben immer weiter geht.

Was ist dir beim Essen oder Essen-Einkaufen besonders wichtig?
Ich arbeite ein paar Mal in der Woche im Bioladen und bin inzwischen ziemlich verwöhnt. Brot, Käse und Gemüse kaufe ich fast ausschließlich dort oder auf dem Markt. Ich kann Menschen nicht verstehen, die in Folie verpacktes, geschnittenes Brot kaufen (das nicht wesentlich günstiger ist und einen Nährwert wie Plastik hat). Außer aber sie sind alt und haben kein Brotmesser. Ich bin ein ziemlich emotional gesteuerter Einkäufer. Die Dinge, die auf dem Band landen, vermitteln mir etwas über das Essen Hinausgehendes, das schwer zu beschreiben is(s)t, das sicher bei den meisten Einkäufern eine große Rolle spielt. Impulskäufe wie Blockschokolade, Kakao oder Allgäuer Emmentaler sind meistens einer Art universellem Heimwehgefühl geschuldet, sage ich mal so. In meiner Familie interessierte sich niemand für Lebensmittel und deren Zubereitung (außer meine beiden Großmütter). Deswegen halte ich in diversen WG-Küchen regelmäßig nervig-missionarische Vorträge über „gutes" und „schlechtes" Essen. Dass man sich Zeit nimmt (zum Nachdenken) beim Einkaufen, Kochen und Essen ist das Wichtigste.

Erinnerst Du dich, wann Du zum ersten Mal für Dich selbst gekocht hast und wer Dir das Kochen beigebracht hat?
Ich erinnere mich an Tage, als ich auf dem Küchensims meiner Großmutter saß und ihr beim Kochen zuschaute. Sie kochte Böhmisches, viel Knödel, Gulasch, Rouladen. An mein erstes selbst gekochtes Essen erinnere ich mich nicht, aber an meinen ersten Versuch, die Zwetschgenknödel meiner Großmutter zu kochen, nachdem sie gestorben war. Mit Kartoffelteig ist das ja so eine Sache. Ich kurbelte Kartoffeln durch den Fleischwolf meiner Großmutter, den ich als gutes Omen betrachtete, schüttete Mehl und Eier dazu, wie in ihrem Rezept beschrieben, das ich mir mit 15 aufgeschrieben hatte. Am Ende schwammen trotzdem rohe Teigklumpen auf der Wasseroberfläche, die man nicht essen konnte. Meine Eltern waren auf einem Geburtstag eingeladen gewesen und hatten dort extra nichts gegessen, um meine Zwetschgenknödel zu essen. Ich heulte so sehr, dass mein Bruder mir noch auf dem Rückweg eine Aufmunterungs-SMS schrieb und mein Vater mir am nächsten Tag eine Nachricht, mit der Zahl der Google-Suchergebnisse für Zwetschgenknödel-Rezepte: 66 700. Das Rezept war nicht das Problem! Zum Glück hatte ich einen Rest des Teigs über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag einfach eine Menge Mehl dazugegeben. (Blass erinnerte ich mich, dass auch meine Großmutter die Kartoffeln immer einen Tag vorher kochte.) Ich formte also Knödel in die ich Zwetschgen und ein Stück Würfelzucker steckte in meiner eigenen Küche. Wo ich am Ende über perfekte Zwetschgenknödel mit Butter und Semmelbröseln schon wieder heulte.

Was war dein Lieblingsessen als Kind?
Siehe oben! Ich hatte wirklich jedes Mal, wenn es diese Knödel gab, manchmal in der Variante Quarkknödel, Angst, dass es das letzte Mal wäre. Als meine Großmutter das Kochen vergaß, war das der Anfang vom Vergessen von allem.

Was ist dein aktuelles Lieblingsessen?
Ich esse oft wochenlang immer wieder das Gleiche. Zur Zeit: Birne und Fenchel auf Seele, überbacken mit Käse (Berg, Ziege, manchmal auch mittelalter Gouda). Zum Nachtisch Mohn-Vanille-Joghurt.

Was magst Du gar nicht?
Viel Geld ausgeben für ungutes Essen im Restaurant, das man zu Hause besser hinbekommen hätte. Menschen, denen Essen egal ist. Das Missverhältnis Dauer des Essens vs. Zubereitungszeit.

Mittags warm und abends kalt oder andersherum?
Fritz J. Raddatz hat neulich in einem Interview gesagt, dass er „mittags essen" gar nicht kenne. Seitdem frage ich mich, ob er wenigstens mittags ein Brot isst und das aber nicht als richtiges Essen zählt. Ich esse meistens mittags kalt, ein Käsebrot, eine Butterbrezel. Weil mir das Essen abends in Ruhe wichtiger ist. Manchmal ist es aber auch schön, mittags mit einem Lieblingsmenschen beim Italiener über einem Teller heißer Pasta Puttanesca zu sitzen, neben Bankmenschen und Anwälten im Anzug in ihrer Mittagspause.

Wo isst Du am liebsten? Am Tisch oder auf dem Sofa?
Alleine sehr gern auf dem Sofa und fernkuckend. Auch am Tisch mit Zeitung oder Buch. Bloß verträgt sich Lesen, Umblättern und Essen so schlecht. Zusammen am Tisch. Am liebsten an einem runden.

Was trinkst Du zum Essen?
Zu Hause nichts oder Leitungswasser. Auswärts Traubensaftschorle oder Wasser.

Wie oft gehst Du auswärts essen und hast Du ein Lieblingsrestaurant?
Am liebsten gehe ich auswärts frühstücken. In einem kleinen Café, wo es eine offene Küche gibt, in der regelmäßig der Eierkocher piept und wo es eben immer nach Kaffee und warmer Milch riecht, Zeitungen umgeblättert werden und Dinge besprochen.

Was isst du, wenn es schnell gehen muss?
Käsebrote (wichtig: guter Käse und gutes Brot, ich bin ziemlich gut im Brote belegen), Butterbrezeln. Manchmal auch unterwegs Pide mit Schafskäse. Rosinenbrötchen. Ich würde jederzeit gute Backwaren einem schnellen/schlechten, aber warmen Essen vorziehen.

Was war das aufwendigste Gericht deines Lebens?
Ein gefülltes Huhn mit einer Brezel-Petersilien-Ich-weiß-nicht-mehr-genau-Gemüsefüllung, dazu Serviettenknödel, Rahmsauerkraut und eine richtige Bratensoße. Aufwändige Gerichte sind ja die, bei denen man hinterher mit rotem Kopf am Tisch sitzt und sich tausend Mal entschuldigt, dass die Soße womöglich nicht mehr heiß genug ist und überhaupt selbst gar keinen Hunger mehr hat.

Hast Du ein Standard-Gericht, wenn Eltern oder Freunde zu Besuch kommen?
Hm. Eigentlich nicht. Vielleicht Nudeln mit Butter, Salbei und Parmesan.

Welchen Jetzt-User oder -Redakteur möchtest Du als Kosmoskoch sehen?
Wollte nicht irgendwann Max Scharnigg kochen? Von WieJetztAber hat man auch schon lange nichts gehört! Und wer so gutes Zeug wie herzfein macht, kocht sicher fein.


Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/562060