Wie richte ich meine Wohnung ein?
Text: lea-hampel  Cover: floKu / photocase.com | 1 1 Kommentar | 1 1 Lesenswertpunkt | | 18.04.2014 02:13  


Irgendwann ist da nicht mehr das WG-Zimmer für kurze Zeit und man möchte es gemütlich haben daheim. Einrichten gehört eben zum Erwachsensein dazu. Aber wie macht man es am besten?

Angefangen hat alles mit dem Sessel, damals, als er noch nicht den Beinamen „das Monster" trug, sondern für mich der in zwei Blautönen gehaltene Traum weiblicher Leseratten war, mit silbernen Tatzen und einer asymmetrischen Rückenlehne. Dafür gab ich mein Sparbuch. Ich war 14 Jahre alt und überzeugt, mit dem Sessel würde ich ausziehen und noch meine Kinder würden darauf turnen.

Ausgezogen bin ich mit dem Sessel, doch als mein erster Nicht-mehr-aus-der-Schulzeit-Freund ihn mit einer gehobenen Augenbraue betrachtete, kamen Zweifel und mit ihnen der Abschied. Bald fristete das blaue Ungetüm ein Dasein unter einer Leinendecke. Während meines Auslandsaufenthaltes wohnte er als Kleiderständer bei meiner Mutter. Ich hatte mir geschworen, ihn mit in die Wohnung meines Freundes zu nehmen, sobald ich einziehe. „Auf keinen Fall", sagte der ansonsten sanfte Mann, „die Quadratmeterpreise sind zu hoch, um Platz an so etwas zu verschwenden." Zähneknirschend gab ich nach. Vor wenigen Wochen fand der Sessel auf Ebay sein Ende – und schon nagen Zweifel. Hätte er nicht einen Platz verdient gehabt? Doch wie? Und wie gehe ich überhaupt beim Einrichten vor?

„Das zu große Sitzmöbel ist der Klassiker", sagt Einrichtungsberaterin Kathrin Weimann von „Stil & so". Sie berät Menschen, die ihre Wohnungen umgestalten. Ich hätte den Sessel nicht gleich verkaufen müssen, erklärt mir Weimann, denn: „Ein gutes Zimmer macht eine Mischung aus alten und neuen, persönlichen und praktischen Stücken aus." Bevor man deshalb einfach alle Möbel nimmt und einzieht, sollte man sich Gedanken machen: Wie nutze ich den Raum und was finde ich schön? Welche Dinge brauche ich und welche will ich unbedingt behalten?

Hätte ich mir diese Fragen gestellt – ich hätte mich vermutlich für den Sessel entschieden. Aber damals dachte ich: Der passt nirgendwo dazu. „Das ist der falsche Ansatz", sagt Weimann und verrät Methoden, wie man aus einer bunten Mischung ein schönes Ensemble macht. „Man kann immer schauen, ob man Einzelstücke verändern kann", erklärt die Expertin. Den Sessel zum Beispiel hätte ich neu beziehen lassen können oder neue Füße anschrauben. Die andere Methode: Integrieren. „Man könnte zum Beispiel das restliche Zimmer mit unterschiedlichen Blautönen versehen", schlägt Weimann vor, „denn Farbe verbindet, unabhängig vom Stil."

Die Expertin hat noch einen Vorschlag, wenn alles durcheinander geht: auf Stilrichtungen konzentrieren. Zum Beispiel einen Nierentisch und eine Tütenlampe zum Cocktail-Sessel besorgen. Oder zu meinem Sessel einen Kandelaber und einen Spiegel mit prunkigem Rahmen.

Das klingt, als wäre Einrichten grundsätzlich teuer. „Das muss nicht sein", sagt Weimann. Sie rät, ganz klassisch, zum Flohmarktbesuch. Und zu Möbelhäusern jenseits der bekannten Vier, die in den Zeitungsbeilagen für Bettbezüge werben. „Manchmal macht ein klein bisschen mehr Geld den großen Unterschied." Und selbst wenn man Lust hat, Geld zu investieren, Weimann rät zu Basics: „Im Zweifelsfall würde ich zur beigen Couch mit quietschgrünen Kissen raten und nicht zur quietschgrünen Couch."

Also auch nicht zum knallblauen Sessel mit Löwenfüßen. Um den tut es mir nach dem Gespräch mit der Expertin trotzdem Leid. In die Ecke neben dem Fenster hätte er gepasst. Doch dort steht nun ein anderer alter Sessel. Der dem Mann gehört und nicht mehr gefällt. Doch weg kommt der diesmal nicht – sondern ab zum Polsterer.

Lea Hampel (27) hat mittlerweile sogar Spaß am Einrichten. Die Angst vor einer Fehlinvestition ist geblieben.


Fünf Tipps zur Wohnungseinrichtung:

1. Räume messen. Die meisten Menschen überschätzen, wie viele Möbel ein Raum verträgt. Daher: Am Anfang einen Grundriss zeichnen, die wichtigsten Stücke einzeichnen.

2. Die Mischung macht's. Nur neue Stücke wirken fade und glatt, nur alte erfüllen oft nicht die praktischen Anforderungen, die nicht zu kurz kommen sollten.

3. Auf's Bauchgefühl verlassen. Der Trend ändert sich, doch selbst wenn die Intuition zu Kuriositäten führt, sind die immerhin mit persönlicher Geschichte verbunden.

4. Mut zum Ungleichgewicht. Ein Bild muss nicht mittig über der Couch hängen, die Lampe auch nicht. Kleinkram sieht besser aus, wenn er in Grüppchen steht, als wenn er in symmetrischer Aufstellung die komplette Kommode einnimmt.

5. Kleine Veränderungen, großer Unterschied. Bevor man mit einem knalligen Tisch frischen Wind kauft, lieber schauen, wie man günstig Veränderungen schafft. Neue Kissen, Vorhänge oder eine Wandfarbe gehen schnell – und sind rückgängig zu machen. Aber Vorsicht: Je kräftiger der Farbton, desto kleiner die Fläche. Soll ein ganzes Zimmer ran, dann lieber dezente Farbe verwenden. 


Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/556934