Von inneren Kämpfen und äußeren Urteilen
Text: mouton | 17 17 Kommentare | 28 28 Lesenswertpunkte | Erwachsenwerden | Macht | 29.08.2014 07:16  


"Uns steht die ganze Welt offen. Das ist ein Problem." ("Hotel Braunschweig", Schauspiel von Juliane Kann)

Wir sind einfach viel zu jung.
Wir wollen alles und am besten jetzt gleich, einen festen Freund, einen nur für Sex, Erfolg, Kinder, eine eigene Wohnung, schonmal allein in New York/Indien/Neuseeland gewesen sein udnd abei total wertvolle Erfahrungen gesammelt haben, unabhängig und cool, abgebrüht, wild, verwegen, geheimnisvoll.

Aber so sind wir nicht. Das Leben bricht regelmäßig über uns zusammen, wenn die Bilder, die wir sorfgältig von uns zeichnen, von anderen verrissen werden.
Wir sind traurig und viel, wir wollen alles und noch mehr, wir sagen "Wir schaffen das schon, gib her!" und tragen doch viel zu viel. Wir können nicht abschalten, wir können nicht durchatmen, wir müssen rennen rennen rennen. Wir wollen uns finden und das Glück auch und vor allem den Sinn und eine Aufgabe. Wir wollen, dass unser Leben was zählt und dass nichts umsonst gewesen ist. Wir wollen uns spüren und vor allem wollen wir einfach nur wir sein.

Aber wer das ist, ist schwer zu finden in einem Dschungel von Vorbildern und "BitteaufkeinenFall-Bildern" und dem Leben als Geschenk und der Anweisung, vorsichtig damit umzugehen. Und so stürzen wir uns Hals über Kopf in Geschichten ohne Ende, die wir nicht verstehen, aber wir glauben, das tut man jetzt so und wir haben Angst, Angst, Angst vor Verlust, Menschen, Dinge, Träume zu verlieren und deswegen rennen rennen rennen wir und wollen alles mitnehmen. Dabei achten wir weder auf  rechts vor links noch rot oder grün oder sein oder nichtsein. Für sich leben oder für andere leben, das ist immer die Frage, aber wie kann man für sich leben, wenn man nicht weiß, wer das ist?

Mit 17 dachte ich, ich wär fertig. Mit 19 dachte ich, ich schließe dieses Studium ab, dann bin ich fertig und heirate und kriege Kinder und werde verbeamtet und bringe Sonne in das Leben der anderen.
Mit 20 3/4 denke ich gar nicht mehr, versuche nur noch mich zu ordnen, das Knäuel in mir aufzufädeln, zu sortieren, nach dem zu suchen, was ich verloren hab, irgendwo auf dem Weg.


Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/531663