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Interview
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Technik
| 16.05.2012 21:52
Jüngeren erschließen sich die meisten technischen Neuheiten auf Anhieb, oder zumindest nach kurzer Zeit. Ältere hingegen tun sich oft schwer, die Grundprinzipien zu verinnerlichen, die den meisten technischen Geräten und Anwendungen zu Grunde liegen – dass es ein Menu gibt, über das ich navigieren kann, einen Enter-Button, über den ich mich weiter bewege und so weiter.
Ist das so, und wenn ja, warum?
Der Erwerb von Technikkompetenz steht immer in Zusammenhang mit der jeweiligen Sozialisation. Einfach gesagt: Was man lernt, hängt davon ab, wie man gelernt hat zu lernen. Was man heute können muss, um mit Computer und Internet kompetent umzugehen, ist extrem verschieden von dem, was man noch vor dreißig Jahren im Umgang mit Technik können musste. Damit sind Erfahrungen, die die heutige Eltern- und erst recht die Großelterngeneration mit der Aneignung von technischen Geräten gemacht haben, nicht mehr zu verwenden. Das hat auch, aber nicht nur etwas damit zu tun, dass heutige Technik viel komplexer ist. Das heißt, es gibt nicht mehr ein Gerät mit einer Funktion, sondern ein Gerät, das ganz viele verschiedene Aufgaben erfüllen kann.
Der zweite Grund ist, dass bei der Nutzung von Computer und Internet vieles in der Hand des Nutzers selbst liegt, und zwar sowohl im Bezug auf die Inhalte, die man im Internet findet, als auch im Bezug auf die eigenständige Ausnutzung der vielfältigen Möglichkeiten und die Gestaltung eines eigenen digitalen Raumes. Für diese Form des Umgangs mit dem Computer und dem Medium Internet gibt es in der Erfahrungswelt der Älteren keine Vorbilder.

Heute wird der Umgang mit Computern und Internet von Klein auf erlernt. Bei unseren Eltern war das noch anders. (Foto: ddp)
Wenn ich meine Eltern an die Nutzung des Internets heranführe, soll ich sie möglichst viel selber erkunden lassen, oder selbst die Maus in die Hand nehmen und ihnen alles demonstrieren?
Auf jeden Fall selbst ausprobieren lassen. Es gibt ja keine festgelegte Vorgehensweise, wie man lernt, ein Computerprogramm oder eine Internet-Anwendung zu bedienen. Zeigen Sie ihren Eltern gleich zu Anfang, wie man Bookmarks setzt, dann kann man später gemeinsam die Seiten noch mal anschauen, bei denen es Probleme gab. Bitten Sie Ihre Eltern außerdem, Fragen aufzuschreiben, damit man sie beim nächsten gemeinsamen Surfen besprechen kann.
Soll ich ihnen erst eine Seite zeigen und sie dazu bringen, die möglichst gut zu beherrschen, und dann weiter voranschreiten? Oder lieber gleich Beispiele für unterschiedliche Arten von Internetanwendungen geben?
Lernen klappt am besten, wenn es sich an den Interessen des Lernenden orientiert. Überlegen Sie, was ihren Eltern Spaß macht. Wer ein Ticket für ein Fußballspiel oder ein Konzert bestellt hat, wird danach den Umgang mit Online-Banking leichter lernen.
Das Internet ist für viele Eltern ein homogenes Ding, wie zum Beispiel ein Backofen. Man kann es zum Beispiel ein- und ausschalten und sich ein neues besorgen, wenn es „kaputt“ ist. Wie erkläre ich ihnen am besten, wie das Internet wirklich aufgebaut ist?
Muss man das denn wissen, um es zu benutzen? Sie können auch Auto fahren oder fernsehen und Radio hören, ohne zu wissen, wie die technischen Systeme dahinter aufgebaut sind. Davon abgesehen trifft es das Beispiel des Backofens eigentlich ganz gut. Wie gesagt: Der Umgang und das Verstehen von Technik beruhten bei den heute Erwachsenen darauf, wie sie in jungen Jahren gelernt haben, technische Geräte wie zum Beispiel einen Backofen zu bedienen.
Eltern versuchen oft, Internet-Anwendungen mit ihnen bekannten Mustern zu erklären. Sie wollen zum Beispiel Fotos, die auf dem Computer sind, „auf Platte spielen“. Soll ich Vergleiche zu Bekanntem anführen, um das Neue zu erklären, oder ist es besser, das große Ganze, also auch mit eventuell verwirrenden Hintergründen zu erklären.
Das hängt ganz davon ab, was Sie erreichen wollen. Um mit dem Internet gut umgehen zu können und die Anwendungen zu nutzen, die einen persönlich interessieren, muss man nicht 'das große Ganze' verstanden haben. Für die meisten ist es allerdings hilfreich, zumindest ein Grundverständnis von der Digitalisierung zu besitzen. Fotos sind ein gutes Beispiel, um das zu erklären. Der Unterschied zwischen einer digitalen und einer klassischen Kamera, einem Speichermedium oder einem Film: Das ist etwas völlig Verschiedenes, was zu ganz unterschiedlichen Möglichkeiten der Bearbeitung und Vervielfältigung führt, aber am Ende kann man von bei dem einen Papierabzug anfertigen, also etwas, was auch ältere Menschen kennen und verstehen.

Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/404355