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Ueberwachung
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Technik
| 14.02.2012 12:25
1. Die Google-Gesellschaft
„Wir sind definitiv auf dem Weg in die Google-Gesellschaft", zitiert heise den Soziologen Rudi Schmiede von der TU Darmstadt, der auf einem Symposium zur Zukunft der Suchmaschinen Ende Mai in Berlin vor der steigenden Macht der Suchtechnologie an sich und ganz speziell vor der von Google gewarnt hat. Dabei geht es weniger um die Masse der Anwendungen, die Google kontrolliert und viel mehr um die Ausschließlichkeit, die Google bereits erreicht hat. Was die Suchmaschine nicht findet, gilt für viele als nicht existent. Das liegt zum einen an der Faulheit der Nutzer und zum anderen daran, dass es derzeit kaum ernstzunehmende Google-Konkurrenten gibt. Der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales will das ändern. Er arbeitet an einer Google-Konkurrenz, die nicht mehr auf Googles größtes Erfolgsgeheimnis – den Page-Rank - sondern auf die Menschen setzt, die die Suchmaschine nutzen. Google-Gründer Larry Page gab dem Bewertungssystem seinen Namen. Diese Gewichtung stößt aber z. B. bei sehr kurzfristigen bzw. aktuellen Suchanfragen an ihre Grenzen. Deshalb will Google zukünftig mit Hilfe eines neuen Systems suchen, das auf so genannten "Signals" basiert: als Signal werden zahlreiche unterschiedliche Eigenschaften von Webseiten bezeichnet.

Gelbe Gefahr: das kleine gelbe Männchen zeigt in der neuen Funktion "Street View" die Position der aufgenommenen Straßenszene an, Screeshot aus einem YouTube-Film, der besondere Fotos sammelt.
2. Die Google-Öffentlichkeit
Es ist ein köstlicher Spaß: Man kann ihn bei der Fotoplattform Flickr im Tag streetview anschauen, in diesem Film bei YouTube, auf der Site streetviewr.com und in der jetzt.de-Bildergalerie - überall dort sind Einblicke gesammelt, die Googles neue Kartenfunktionalität gestattet. Einblicke in das Leben auf amerikanischen Straßen. Dort lässt Google ein Auto rumfahren, das Aufnahmen macht und jedem surfenden Kartenleser zeigt, wie es dort gerade aussieht. Das ist lustig, wenn man Menschen sieht, die einen Kinderwagen rückwärts einen Berg hochziehen oder ein gewagtes Überholmanöver eingehen. Es ist so lustig, dass Wired sogar zu einem Wettbewerb aufgerufen hat und das beste „Urban Image“ sucht, das mit Street View gemacht wurde.
Aber Street View ist auch erschreckend, wenn man sich überlegt, dass diese Technik von einer Organisation genutzt wird, die zwar „Don’t be evil“ auf ihre Fahnen geschrieben hat, aber in Wahrheit vor allem an unseren Daten interessiert ist. Wäre es besser oder schlechter, fragt das Blog Boing Boing, wenn Google Street View im Besitz des CIA oder des NSA sei? Beim Bootsektor gibt es darauf eine klare Antwort: das Blog prophezeit einen „Krieg um unsere privaten Daten, und um unsere Identität. Sowie das Recht daran.“
Erste Schlachten dieses Krieges kann man bereits in Amerika beobachten, wo die New York Times die Geschichte von Mary Kalin-Casey nacherzählt. Die junge Frau war nicht einverstanden damit, dass sie, als sich sich via Street View ihr Haus ansah, ihre Katze im Fenster sitzen sah. Googles Reaktion auf die anhand von Marys Katze begonnende Debatte: „Wir nutzen lediglich Aufnahmen, die in öffentlich zugänglichen Bereichen gemacht wurden. Diese Aufnahmen unterscheiden sich in keiner Weise von dem, was jedermann sehen kann, wenn er durch eine Straße läuft.“
Auf der nächsten Seite liest du, wie Google Personen erkennt und warum eine Projekt namens Gears der große Angriff auf Microsoft werden kann.
3. Das Google Wissen
Der Branchendienst searchengineland.com meldete Ende Mai: Google erkennt jetzt Gesichter. Die Funktionalität ist noch nicht offiziell eingebaut, sie lässt sich aber bereits bedienen. Wer bei Google nach „Paris“ sucht, findet in der Bildersuche Motive eines Sonnenuntergangs in Frankreichs Hauptstadt, vom Eifelturm und dem Triumphbogen. Ergänzt man am Ende der Befehlszeile in der URL diesen Befehl „ &imgtype=face“ findet Google plötzlich zahlreiche Porträt-Bilder von Paris Hilton. In einem Interview hatte ein Google-Entwickler kurz zuvor bereits angekündigt: Das nächste große Ding bei der Bildersuche ist die Suche auf Basis eines "visual concepts". Also die Fähigkeit der Suchmaschine, zu erkennen, ob das Bild eine Landschaft, ein Haus oder eben eine Person zeigt.

Bilder einer Stadt: Links zeigt Google Paris-Bilder ohne Gesichtserkennung an, rechts solche mit der neuen Technologie.
4. Die Google-Zukunft: Gears
Es klingt wie ein Angebot für Spezialisten und Entwickler, doch die Financial Times sieht im Projekt Google Gears bereits einen Angriff auf das Office-Paket von Microsoft (Word, Exel etc.). Das „Open Source Toolkit for offline web apps“ soll es ermöglichen, Webanwendungen auch ohne direkte Anbindung ans Internet nutzen zu können, beispielsweise also den Google Reader zu lesen ohne online sein zu müssen. Diese Entwicklung ist ein konsequenter Schritt weg von der reinen Internet-Anwendung zu einem Computer-Service, der Online- und Offline-Welt verbindet.
Google ist mittlerweile zu dem geworden, was das Vorzeigemodell von Volkswagen für die Generation Golf war: eine stilprägende Firma für eine ganze Gruppe gleichaltriger Menschen (was man nicht nur an der dank Google gelernten Fähigkeit des Erdgooglen erkennen kann). Das Tempo dieses Aufstiegs der ehemaligen Garagenfirma ist jedoch derart rasant, dass die Generation Google kaum mithalten kann. Ist Street View eine vermeintlich spaßige Form der Überwachung? Ist Google Gear schlimmer als jedes Cookie, das jemals auf einem Rechner gesetzt wurde? Ist Googles Datensammlung mittlerweile umfassender als die der Staatssicherheit? Die Generation Google hat darauf noch keine Antworten gefunden. Doch Google wartet nicht bis sie es sich in Ruhe überlegt hat. Google bringt einfach die nächsten Innovation auf den Markt.
Auf der nächsten Seite zeigen wir dir die schönsten Schnappschüsse aus der Street View: fünf überraschende Tätigkeiten aus amerikanischen Straßen.
Kaugummi kauen

Kinderwagen fahren

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Quelle: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/384731